Vereinte französische Parlamentarier gegen die Burka
Auf Anregung eines Kommunisten will eine Gruppe französischer Abgeordneter, darunter einige Rechte, der Totalverhüllung von Frauen im laizistischen Frankreich auf die Spur kommen und die Debatte über die "Behauptung der Weiblichkeit" neu anstoßen
Für Annäherung und mehr Toleranz im Westen gegenüber den Muslimen plädierte US-Präsident Barack Obama in seiner Kairoer Rede. Gleich dreimal erwähnte er in diesem Zusammenhang die "Schleier-Frage", die westlichen Ländern sollen sich, was die Kleidung angeht, nicht einmischen, so Obama, der mit diesem Punkt für einige Aufregung bei Frauenrechtsorganisationen sorgte. Der französische Staatspräsident Sarkozy beeilte sich kurz darauf, dem amerikanischen Staatsoberhaupt beizupflichten (siehe "Schleierhafter Sarkozy").
Statt Nichteinmischung will eine Gruppe französischer Parlamentarier nun die Debatte neu aufmischen. Initiiert von einem kommunistischen Abgeordneten, André Gerin, und mehrheitlich unterstützt von Abgeordneten der Partei Sarkozys, der UMP, will die 58köpfige Gruppe, darunter laut Nouvel Observateur auch rechte Abgeordnete, eine Untersuchungskommission ins Leben rufen, die die "Kopftuch-Diskussion", wie sie in Deutschland heißt, differenziert und überprüft, ob bestimmte Kleidungsstücke mit dem Geist der laizistischen Verfassung Frankreichs in Einklang zu bringen sind. Es geht um die Burka und Kleidungsstücke ("Niqab" in Verbindung mit dem Tschador) die den ganzen Körper verhüllen und nur Schlitze für die Augen offen lassen.
Hintergrund seien immer wieder auftauchende Fälle, wo sich - angeblich meist auf Geheiß des Ehemanns völlig verhüllte Frauen - bei Amtsbesuchen, etwa zur Hochzeit oder der Ausstellung eines Passes, präsentieren, ohne dass die Identität geprüft werden kann. Nach Auffassung der Parlamentarier handele es sich bei diesen Verhüllungen um keine "ostentative Demonstration der religiösen Zugehörigkeit" mehr, sondern um einen "Anschlag auf die Freiheit der Frauen", der sich gegen die "Behauptung der Weiblichkeit" richte:
"Unter der Bekleidung der Burka oder dem Niqab wird die Weiblichkeit zurückgedrängt und ausgeschlossen und einer unerträglichen Unterdrückung ausgesetzt. Die Existenz (der Weiblichkeit) wird verneint."
Die Intitiative wird von französischen Medien in Zusammenhang mit einem Urteil gestellt, das im letzten Jahr gegenüber einer Frau ergangen ist, die einer Marokkanerin die franzöische Staatsbürgerschaft verweigerte, weil sie eine Burka trug. Das sei eine radikale Praxis der Religion und weder mit den Grundwerten der farnzösischen Gesellschaft vereinbar, noch mit der Gleichstellung der Geschlechter, urteilte das Gericht (siehe "Verhüllen, Abschotten und Unterwerfen nicht kompatibel".
Während sich Vertreter islamischer Organsiationen betrübt über das "niedrige Niveau der Debatte, die zum Zeitpunkt der Geschehnisse im Iran komme", zeigen, fordert die Staatsekretärin Fadela Amara, ehemalige Präsidentin der Organisation "Ni putes, Ni soumises" ein Verbot der Burka - in der sie vor allem einen "sichtbaren Ausdruck der Fundamentalisten" erkennt.
Wie viele Frauen in Frankreich tatsächlich eine Burka tragen, ist unklar. Das will die Kommission erst herausfinden.
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