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Kultur-News

Pulp 2009: Detektive, die Handys hacken für Murdoch

Der britische Guardian hat heute eine Enthüllungsserie gestartet, bei der die Londoner Polizei und Journalisten, die zum Medienkonzern von Murdoch gehören, sehr schlecht aussehen.

Der britische Telegraph hat eine vielbeachtete Antwort auf das Zeitungssterben gefunden. Mit seiner Enthüllungsserie zum Spesenskandal konnte das Blatt seine Auflage drastisch steigern und Gewinne einfahren.Im Schnitt, so die Berliner Zeitung, sollen pro Ausgabe 85 000 Exemplare mehr verkauft worden sein. Allerdings hatte die Enthüllung einen Preis: 114 000 Euro soll der Telegraph für "eine CD mit den Daten der Abgeordneten gezahlt haben". Andere Blätter hätten das Angebote zuvor abgelehnt. Die Berliner Zeitung schreibt von Kritikern, die der britischen Zeitung "Scheckbuchjournalismus" vorwerfen.

Auch der Guardian ließ mit seltenen Hintergrundgeschichten zur Bankenkrise, bzw. zu den nicht so schönen Verhältnissen hinter der Kulisse der Boomtown Dubai aufhorchen. Heute publiziert die Zeitung in ihrer Online-Ausgabe nun eine Enthüllungsgeschichte, in der Journalisten Detektive für "Hacker-Dienste" am Handy von Prominenten bezahlen.

Der Guardian behauptet darin, dass Boulevard-Journalisten der News Group des Verlegers Rupert Murdoch über private Ermittler Mobiltelefone von ehemaligen Regierungsmitgliedern, Abgeordneten, Sportlern, bekannten Schauspielern und anderen Personen des öffentlichen Lebens hat hacken lassen. Als Opfern werden u.a. aufgezählt: die Schauspielerin Gwyneth Paltrow, der Sänger George Michael, das Model Elle Macpherson und Ex-Vizepremier John Prescott.

Über das illegale Eindringen in das SMS-Menü von "tausenden Mobiltelefonen" sollen sich Journalisten der News of the World und von The Sun "Detektive", Zugang zu Informationen beschafft haben, die "vertrauliche persönliche Daten", aufgezählt werden "Steuerbescheide", "Sozialversicherungsunterlagen", "detaillierte Telephonrechnungen" und "Bankauszüge", beinhalten - so der eine Vorwurf. Der andere besteht darin, dass der Medienkonzern sich der Verschwiegenheit mancher Opfer mit Zahlungen versichert haben soll, um zu vermeiden, dass sie vor Gericht gehen. Laut Guardian mit etwa 1,2 Million Euro. Medienkonzernchef Murdoch selbst erklärt allerdings fest, dass an den Vorwürfen nichts dran sei:

"If that had happened, I would know about it."

Dem widerspricht der Guardian in seinem Bericht und stützt sich dabei auf Quellen bei Scotland Yard, deren Ermittlungen laut Zeitung deutliche Zusammenhänge zwischen dem unbefugten Zugriff auf private Informationen und leitenden Redakteuren der Murdochschen Publikationen offenlegen.

Laut Guardian gehe aus Ermittlungspapieren des Scotland Yard eindeutig hervor, dass Redakteure der News Group sich wissentlich der privaten "Hacker" bedient hätten. Einer ungenannten Quelle zufolge, die "direkten Zugang zu den polizeilichen Ermittlungen" haben soll, seien zwischen zwei- und dreitausend Mobiltelephone gecrackt worden.

Dafür dass das Dementi der News Group fadenscheinig ist, spricht nach Ansicht des Guardian die Tatsache, dass man dazu übergegangen sei, sich das Schweigen einiger Opfer zu erkaufen.

The Scotland Yard paperwork also provided evidence that the News of the World had been involved with Mulcaire in his hacking of the mobile phones of at least two other football figures. They filed complaints, which were settled this year when News International paid more than £300,000 in damages and costs on condition that they signed gagging clauses.

Heute nachmittag hat sich der Premierminister selbst, Gordon Brown vom G8-Gipfel in Italien aus zum "Medien-Erdbeben" in seinem Land eingeschaltet und von "sehr ernsthaften Fragen" gesprochen, den diese Sache aufwerfe. Der Leiter von Scotland Yard hat heute eine genauere Untersuchung der Fälle angeordnet, um "die Fakten zu ermitteln und ins Detail zu schauen".

Der Bericht des Guardian enthält nicht nur Brisanz, was die journalistischen Investigativ-Techniken des "Newsroom out of control" betrifft, sondern auch was die Polizeiarbeit angeht. So lautet eine der "sehr ernsthaften" Fragen: Warum hat die Polizei ihre Informationen, aus denen der Guardian jetzt zitiert, bislang zurückgehalten?

Eine andere brisante Frage zielt auf politische Verflechtungen. So wirft der Guardian Andy Coulson, dem jetztigen Beauftragten für Kommunikation in Diensten des Chefs der konservativen Partei, David Cameron, vor, dass er verantwortlicher Beteiligter in der Affäre ist.

Vieles ist noch unklar, aber alles sieht danach aus, als ob dies der Beginn einer wunderbaren Fortsetzungsgeschichte für den Guardian ist.

Thomas Pany09.07.2009
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Kommentare lesen (5 Beiträge)
Verstehe ich nicht
Private Geheimdienste haben Konjunktur ...
Das Gesicht

 
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