Pharma-Hoch im Herbst
Impfstoffchaos im Pandemiethriller
Kurven, die nach oben zeigen, sind dramaturgisch so wertvoll wie Männer, die am Felsen hängen. Der Suspense der Infuenza A ist tierisch wirksam. Schweinischer Bildgehalt, der im Frühjahr in Ägypten zu Massenschlachtungen der Tiere "als Vorsichtsmaßnahme" inspirierte, dazu ein dramatischer historischer Hintergrund, die spanische Grippe mit ihren 25 Millionen Todesopfern im letzten Jahrhundert - und immer größere Fallzahlen in immer kürzeren Zeitabständen.
Die Grippe und die Medien simulieren ein Hollywood-Script: Keiner kann bislang sagen, wie es werden wird, aber wir wissen unsere Ängste aufs Beste bedient, wie in einem Film, der darauf angelegt ist, unsere Gefühle zu manipulieren.
An diesem Wochenende steht der Impfstoff im Mittelpunkt der dramatischen Ereignisse. 50 Millionen Dosen Impfstoff wurden bestellt; vielleicht zu spät, wie der Virologe Alexander Kekule befürchtet. Sicher ist: Er reicht nicht für alle, sondern nur für 30 Prozent der Bevölkerung. Unsicher ist: Wer bekommt ihn? Sind nur chronisch Kranke, Schwangere, Beschäftigte im Gesundheitswesen, Polizisten und Feuerwehrleute die Privilegierten, wer ist sonst schützenswert - Politiker, systemrelevante Banker und Manager?
Sicher ist: Die Kliniken müssen den Impfstoff erst testen. Unsicher ist, ob er überhaupt wirkt, unklar seien "alle Bedingungen der für Oktober geplanten Impfaktion", so die Welt. Man wisse auch nicht, ob der "neue Impf-Cocktail" nicht gar Nebenwirkungen hat, unter denen Kinder (und damit gewisse Erwachsene auch) mehr leiden als unter dem "saisonalen Grippeimpfstoff".
Als sicher scheint nach wie vor, dass der Verlauf der Krankheit relativ harmlos ist, wenn nicht noch eine andere Krankeit im Spiel ist. Und ganz sicher ist: Pharma-Konzerne, die antivirale Medikamente und Impfungen entwickeln und anbieten, dürfen sich auf den Schweingrippenherbst freuen.
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