Computerspiele sind politisch nicht korrekt
Nach einer umfassenden Analyse dominieren als Darsteller Männer, Weiße und Erwachsene, Latinos, Frauen oder Kinder spielen praktisch keine Rolle.
Computerspiele sind nicht anders als andere Massenmedien wie Fernsehen oder Film, wenn es darum geht, auch Minoritäten darzustellen. Psychologen der USC Annenberg School for Communication haben in einer umfassenden Analyse der 150 wichtigsten Spiele in einem Jahr für alle Plattformen und Alterskennzeichnungen herausgefunden, dass es auch hier nicht politisch korrekt zugeht, auch wenn in einigen Spielen die Benutzer die Darsteller verändern oder auswählen können. Einbezogen wurden nur Spiele, in denen klar erkennbare menschliche Darsteller auftreten.
Nach Dmitri Williams, dem Leiter der Studie, sieht es bei Computerspielen sogar noch schlechter aus, wenn es um Repräsentation der multiethnischen Gesellschaft der USA geht. Latinos etwa machen gerade einmal 3 Prozent der Darsteller aus, sie bleiben aber alle im Hintergrund, mit ihnen kann nicht interagiert werden. "Latino-Kinder spielen mehr Computerspiele als weiße Kinder", moniert Williams. "Aber sie können sich selbst nicht spielen. Für die Identitätsbildung ist das ein Problem." Und möglicherweise auch dafür, das Interesse an der Technik zu wecken, um beispielsweise selbst Spieleentwickler zu werden oder eine wissenschaftliche bzw. technische Ausbildung zu durchlaufen.
Auch Frauen, Indianer, Kinder und Senioren seien unterrepräsentiert. So kann man nur mit 10 Prozent der Frauenfiguren spielen, obgleich 40 Prozent aller Spieler Frauen sind. Schwarze sind zwar nicht unterrepräsentiert, aber sie treten vor allem in Sportspielen oder SApielen wie 50 Cent Bulletproof auf, die "Stereotypen verstärken". Männer, Weiße und Erwachsene sind hingegen überrepräsentiert. Da ist also die alte Gesellschaft im Gewand der neuen Computerspiele noch intakt.
Für Williams spielt es gesellschaftlich durchaus eine Rolle, ob Bevölkerungsgruppen in den Medien vorkommen. Die erstmalige Präsenz von Minoritäten etwa im Fernsehen sei ein wichtiger Schritt, der zu "öffentlichem Bewusstsein und Gleichberechtigung" führe. Überdies schade die Einseitigkeit womöglich dem Geschäft.
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