China: Hilferufe aus einem Zentrum zur Behandlung der Internetsucht
Die in China hochgespielte Gefahr der Internetsucht bei Kindern und Jugendlichen, lässt eine Art von Gefangenenlager zur Entwöhnung und Umerziehung entstehen.
Vor kurzem wurde erneut bekannt, dass chinesische Gesundheitszentren rabiat gegen internetsüchtige Jugendliche vorgehen, die für teures Geld von ihren Eltern in ihre Obhut gegeben werden. Die Regierung und die staatlichen Medien dürften die Hysterie mitgeschürt haben, dass das Internet für viele Kinder und Jugendliche zur Falle werden kann. Millionen seien süchtig. Das treibt besorgt Eltern dazu, ihre Einzelkinder wohl auch sicherheitshalber in eine der angebotenen Therapien oder Entwöhnungskuren zu schicken, um sie vom Laster zu befreien und ihnen eine Karriere zu ermöglichen.
Das hatten sich auch die Eltern des 16jährigen Weng Senshan gedacht, der von ihnen in ein Lager zum Internetentzug geschickt wurde und bereits in der ersten Nacht gestorben war, weil ihn die "Therapeuten" verprügelt hatten, vermutlich um ihn gleich schon mal zu unterwerfen. Dem ausschweifenden Leben im Internet scheinen die "Therapeuten" mit straffer militärischer Disziplin und Unterwerfung unter die Autorität entgegen treten zu wollen. In einem anderen Therapiezentrum wurden die angeblich internetsüchtigen Jugendlichen, gehorchen sie nicht strikt die vorgegeben Regeln, mit Elektroschocks behandelt, was doch schon sehr an "Einer flog über das Kuckucksnest" erinnert.
Die Polizei hat schließlich die Täter festgenommen und das Lager geschlossen, in dem der Junge zu Tode geprügelt wurde. Allerdings betreibt das Unternehmen, wie die Southern Metropolis Daily herausgefunden hat, noch weitere Camps, offenbar mit ähnlichen Methoden. Die Eltern scheint es nicht wirklich zu kümmern, sie vertrauen der Autorität. Im Fall von Senshan unterschreiben die Eltern vor der Einlieferung, wie man sagen muss, einen Vertrag, nach dem die "Erzieher" alle notwendigen Maßnahmen ergreifen dürfen.
Ein Reporter der Zeitung besuchte ein weiteres Camp, das Lizhi-Qihang in Guangzhou betreibt. Danwei hat den Bericht auf Englisch wiedergegeben. Danach wird das Camp nicht nur weiter betrieben, es wird auch für neue "Patienten" geworben, die auch hier zu leiden scheinen. In einem Schlafraum bat ein Jugendlicher den Reporter um Hilfe, indem er eine Bambusmatte hochhielt, auf der hinten SOS stand. Als die "Erzieher" die Treppe zu ihm hocheilten, gaben die Jugendlichen dem Reporter zu verstehen, dass er um das Haus herumgehen sollte.
Dort sah er dann, dass die Kinder und Jugendlichen im dritten und vierten Stock Botschaften auf Dosen, Flaschen, Sandalen oder Papierflugzeugen schrieben und versuchten, diese über die Mauer zu ihm zu werfen. Das gelang nicht, da die Entfernung zu groß war, aber einige hielten Papiere hoch, auf denen "SOS" oder "Schlagen" stand. Andere schrieben Hilferufe auf ihre Kleider oder schrien um Hilfe, bis sie von ihren "Erziehern" gestoppt wurde. Nach Freiwilligkeit sieht dies nicht aus, schon eher nach Gefangenenlagern zur Umerziehung.
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