Keine Monster, sondern demokratisch gewählt
Die Wahrheit über Hugo Chavez und die Neue Linke Lateinamerikas in Oliver Stones "South of the Border"
Dass ein Politiker sogar George Clooney in den Schatten stellt, passiert selten, erst recht bei den Filmfestspielen von Venedig. Nicht etwa von Italiens Rechtpopulisten Silvio Berlusconi und jungen Mädchen ist die Rede, sondern von Venezuelas Staatschef Hugo Chavez. Der ließ es sich nicht nehmen, persönlich auf dem Roten Teppich am Lido zu erscheinen, und ihm gelang das Kunststück, tatsächlich sogar Hollywoods Charmebolzen Nr. 1, George Clooney kurzfristig die Schau zu stehlen. Vielleicht liegt es daran, dass Clooney ein Stammgast in Venedig ist, und viele Venezianer Damen schon ein persönlich geschossenes Photo von ihm im Wohnzimmer haben, vielleicht liegt es daran, dass Macht noch sexyer ist als Schönheit - jedenfalls war Chavez, nicht Clooney am nächsten Morgen auf allen Titelseiten.
Er kam zur Premiere von Oliver Stones "South of the Border" einer Dokumentation (Trailer), die provokativer und auch politischer ist als Michael Moores "Capitalism: A Love Story", aber nicht weniger unterhaltsam: Stone, der derzeit an einer Fortsetzung seines bekannten 80er-Jahre Wirtschaftsdramas "Wall Street" arbeitet, hat darin die Neue Linke Lateinamerikas portraitiert.
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| Ausschnitt aus dem Trailer |
Zuvor erinnert er an über hundert Jahre politischer Imperialismus der USA, an die "triumphalistische Arroganz der USA" nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und an die unsägliche Rolle des IWF. Dem habe Lateinamerika in den letzten Jahrzehnten als Laborratte für seine ökonomischen Experimente gedient, schließt Moore - ein treffendes Bild. Zugleich erklärt Stone damit den Aufstieg der Linken Lateinamerikas direkt als Reaktion auf US-Politik. Das stimmt, ist aber etwas zu einfach, weil es die Rolle der Macht-Eliten in den jeweiligen Ländern ignoriert. Im Zentrum des Films steht Chavez, auch weil er 2002 immerhin einen von der Bush-Regierung unterstützten Putschversuch überstand, den Stone ausführlich dokumentiert.
Der Film ist in erster Linie ein Stück politische Pädagogik: Ein politisches Proseminar, das sich in erster Linie ans US-amerikanische Volk richtet, und das von Lateinamerika und von der Macht der Medien handelt. Zu Lateinamerika ist die Botschaft vor allem die, dass Hugo Chavez und andere Staatsoberhäupter lateinamerikanischer Länder keine Monster sind, sondern demokratisch gewählt und Repräsentanten ihrer Länder. Allerdings macht es auch Stone sich oft leichter, als nötig wäre. Zuviele Fakten werden ignoriert, und so hat der Film zwar den Effekt, dass man sich als Zuschauer für Chavez interessiert und ihn sympathisch findet, aber nicht den, dass hier irgendwelche Einwände widerlegt würden.
Relevanter sind womöglich Stones Kommentare zu den Medien, seine Zusammenstellung ebenso einseitiger wie dummer wie bösartiger und ideologischer Kommentare von FOX und CNN:
"Nach unseren Erfahrungen im Irakkrieg müssen wir die Rolle unserer Medien infrage stellen. Sie dämonisieren fremde Politiker als unsere Feinde. Das hat brutale Konsequenzen. Die Geschichte setzt sich fort."
Wie Michael Moore ist auch Oliver Stone eitel, aber er ist es nicht versteckt, sondern offen. Politischer an seinem Film ist, dass Stone politische Fragen stellt und sich mit Politikern befasst, während Moore vor allem Durchschnittsbürger umarmt oder zum Weinen bringt und sich darin dann auch nicht weiter von CSU-Politiker unterscheidet.
Stones Fazit: Die Veränderungen in Lateinamerika werden auch die USA verändern.
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