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Fun-Papa

Wieviel Show und wieviel Anstrengung steckt hinter den "neuen Vätern"?

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Man kann ihnen kaum ausweichen, besonders in den Münchener Vierteln links der Isar nicht - besonders im Sommer, wo die Tage lang sind, in den Ferien und am Wochenende. Sie sind überall, in den Höfen, auf den Straßen, in den Supermärkten, in engen Eisdielen, in den Tiefgaragen, sicher ist man nur in Stehauschänken. Und weil diese Männer so oft vorkommen, kann man ihrer Erscheinung, obwohl sie sich die Nation doch so sehr wünscht, auch überdrüssig werden. Umso mehr weil sich diese Männer so zufrieden, so stolz, so erfüllt, so glücklich präsentieren, wenn sie den Kinderwagen die gentrifizierten Ladenzeilen entlang schieben und sich so ultrakorrekt zu benehmen wissen, "Pardon!" hier und "Ich verstehe.." da und dort ein liebes Lächeln für die Liebsten rundherum - es geht, schon wieder, oje, um das Phantom der "neuen Väter".

Sie sind nicht mehr wegzudenken aus der neuen gesellschaftlichen Landschaft wie Nilpferde aus der bayerischen (Achternbusch)-Landschaft. Damals, als aus München zwischendrin noch selbstgemachte Kunst kam, sorgte ein Kollege des Filmemachers Achternbusch, Klaus Lemke, für ein paar aufregende Filme darüber, was zwischen Männer und Frauen passieren kann; korrekt gings da nie zu. Lemke noch immer im Geschäft, ein authentisch Überlebender der Münchner Bohème, die in München-Schwabing, in der Leopoldstraße zuhause war, hat für die neuen Väter, einen schönen knalligen Namen: Fun-Papas. Man muss gar nicht genauer hinhören, um zu verstehen, dass er diese neue Art Männer nicht gerade für eine kulturelle Bereicherung hält. Den Vorwurf, der hinter dem Spott lauert, könnte man so formulieren : Den jungen Männern, die früher zornig waren und aus dem Zorn heraus für wilde frische Rebellen-Kunst sorgten, geht es heute vor allem darum, Spaß mit dem Nachwuchs zu haben und - vielleicht noch wichtiger - das Vergnügen, das sie damit haben, vorzuführen. Ein bisschen wenig findet der alte zornige Wilde.

Dass die "neuen Väter" möglicherweise nur Oberfläche, bloße Show, sind, beschäftigte kürzlich auch den Stern. In seiner Titelgeschichte im August verglich er Anspruch mit Wirklichkeit und fand heraus, dass sich anscheinenend viele Männer nach einer anfänglichen Begeisterung für das Wunder zuhause, das mit vielen Vorsätzen vollgepflastert wurde, wieder auf das besonnen, was ihnen nach all den täglichen robusten Mühen im Haushalt und im Umgang mit den Unbeholfenen, Unordentlichen, doch als der größere Spaß erschien und letztlich wichtiger war: die Arbeit im Büro.

Dem von Demografen, Soziologen, Politikern, Journalisten herbeigewünschten und herbeigeschriebenen Trend zum "neuen Vater", der sich gleichermaßen wie die Frau um alles kümmert - Windeln, Fläschchen, das Baby in den Schlaf schaukeln, singen oder summen, waschen, einkaufen, aufräumen und wieder aufräumen, wieder einkaufen, anziehen, ausziehen, Kindergartentasche fertigmachen, an Ersatzkleidung denken, Spielzeug und Kuscheltier suchen, trösten, Kinder mit Einkaufstüten Treppen hinauf- und hinuntertragen -, wird ein anderer entgegengesetzt: Der von den Schustern, die wieder zu ihren Leisten finden.

Der neue Vater ist in Wirklichkeit kaum überlebensfähig. "Ein Samstag mit seiner Familie", so ein Bekannter, der sehr erfolgreich in seinem wissenschaftlichen Beruf ist, "erschöpft mich mehr als drei durchdiskutierte Tage mit chinesischen Fachkollegen. Ein Vormittag im Supermarkt mit Frau und Töchter und danach Kochen und Aufräumen und ich bin den ganzen Tag für nichts mehr zu gebrauchen. Alle Spannung, die ich für die Arbeit brauche, ist weg. Das kann ich mir nicht leisten. Und soll ich, wenn ich mit den Kollegen länger arbeiten muss, dann um sieben sagen, ich muss jetzt aufhören, weil die Kleine die Flasche braucht?"

Die alte Arbeitsteilung ist die neue Lösung, suggerieren die vom Stern porträtierten Männer und mein Bekannter, der es mit seiner wissenschaftlichen Arbeit zur internationalen Berühmtheit in seinem Fach gebracht hat. Dazu soll es ja eine undefinierte Menge zufriedener Frauen geben, die noch provozierender lächeln als die neuen Väter, weil sie mit der Mutterrolle ganz zufrieden sind und voller Stolz darauf, viel Zeit mit ihren Kinder im süßesten Alter verbringen zu können. Die Kinder, sagen sie, sind auch entspannter, weil sie früher vom Kindergarten abgeholt werden Und auch den kinderlosen Kollegen und den Vorgesetzten der neuen Väter kann diese Entwicklung hin zum Vatermodell mit den alten auf Arbeit ausgerichteten Prioritäten nur recht sein. Der Spagat zwischen Arbeit, Kinder und Haushalt ist nur mit viel Lebenskunst und Aufwand zu schaffen, das zehrt an der Substanz - Unzulänglichkeiten und Fehler sind genauso unvermeidlich wie Überstunden und Ärger an allen Fronten.

Laut einer britischen Untersuchung, deren exakte Ergebnisse erst Ende kommender Woche veröffentlicht werden, von denen aberv vorab der Independent schon gestern berichtete, glückt dieser Spagat erstaunlicherweise häufiger als man glaubt. Männern - ungeachtet der ethnischen Hintergründe, so ein Schwerpunkt der Untersuchung -,kümmern sich immer mehr und intensiver um ihre Kinder, so eine Untersuchung der Joseph Rowntree Foundation: Die Väter würden sich mehr denn je zuvor auf das Familienleben einlassen und bis zu acht Stunden am Tag mit ihren Kindern verbringen. Allerdings muss der frohen Botschaft hinzugefügt werden, dass die untersuchte Grundgesamtheit ziemlich klein war (und mindestens einer der Väter seinen Job aufgegeben hatte):

"The report examines the lives of 29 two-parent Pakistani, white British, black Caribbean and black African families. Researchers found more similarities than differences in fathers' behaviours, attitudes and aspirations, and the challenges they faced, despite the mix of ethnic backgrounds."

http://www.heise.de/tp/blogs/6/145245
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