Karmapa Lama: Kriegsspiele gut mit Buddhismus vereinbar
Der 24jährige Trinley Dorje, "Living Buddha", einer der weltweit wichtigsten Buddhisten, empfiehlt "Wargames" als Therapie gegen das Einschlagen von Köpfen
Über Trinley Dorje, geboren 1985, im Jahre des Holz-Ochsen, werden manch wundersame Geschichten erzählt: Dass er die Reinkarnation eines Karmapas ist, ein Schicksal, das allerdings auch ein anderer, Thaye Dorje, für sich beansprucht; dass sich vor seiner Geburt ein zuvor nie gesehener schöner Vogel auf dem Dach seines Elternhauses niederließ, um ein liebliches Lied zu singen; dass drei Tage nach der Geburt ein Muschelhorn und andere Musikinstrumenten auf der Erde und im Himmel erklangen und ein Regenbogen sich spannte über das Zelt, wo der kleine Karmapa wiedergeboren wurde. Die Suche nach ihm wurde verfilmt. Das vielleicht größte Wunder: Dass der junge Mann bei all dem Wirbel einen klaren Kopf behalten hat.
Jedenfalls zeigt Trinley Dorje bei einem Interview mit der Times of India Geistesgegenwart und Kampfgeist. Er weicht den Falltüren in der Frage, wie angemessen es für einen buddhistischen Mönch, der dem Frieden huldigt, sei, Kriegspiele am Computer zu spielen, so geschickt aus wie Bruce Lee den tödlichen Schlägen des tapferen Chuck Norris (mit beindruckender Rückenbehaarung).
Für ihn seien solche Spiele eine Art emotionale Therapie, antwortet der 17. Karmapa, angesiedelt auf einer "weltlichen, profanen Ebene". Eine Erleichterung, ein Druckabbau, eine heilsame Möglichkeit mit Gefühlen umzugehen:
Die Aggression, die im Videospiel ausgelöst wird, sättigt jedes Begehren, das ich möglicherweise habe, um diesem Gefühl Ausdruck zu verleihen. Nach meiner Auffassung ist das Technik auf einer gewissen Höhe, weil ich dadurch nicht hinausgehen muss und irgendjemanden einen Schlag auf den Kopf verpassen will.
Eine Erklärung, die die freie Luft der höheren Ebenen atmet? Weltläufigkeit, Humanismus und eine feine, disziplinierte Distanz gegen den eigenen, auch dumpfen Gefühle... Das allein schon unterscheidet den buddhistischen Feingeist von christlichen Amtsstubenhockern, die, was Kriegsspiele angeht, ihren Gefühlen und Instinkten immer nur außerhalb des Spiels freien Lauf lassen. Möglicherweise ist der buddhistisch geschulte Wirklichkeitssinn im Vorteil: Man kennt die Dinge, über die man redet und befasst sich damit.
Darstellungsbreite ändern
Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.
