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Nachrichten aus Kultur und Medien

"Allahs Bräute"

Was geht in den Köpfen der Frauen vor, die sich im Namen des Dschihad für Selbstmordattentate entschieden haben?

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Zwei Jahre lang hat die Israelin Natalie Assouline im Hochsicherheitsgefängnis Hasharon 120 palästinensische Frauen besucht, die entweder an der Vorbereitung von Selbstmordattentaten beteiligt waren oder selbst vorhatten, als "Märtyrerin" (Shahida) zu sterben und viele andere mit in den Tod zu reissen. Assouline hat aus ihren Besuchen im Gefängnis der "Gotteskriegerinnen" einen weithin beachteten Film gemacht - "Shahida - Brides of Allah".

In einem Interview erklärt Assouline, dass sie - zu einer Zeit als viel über Frauen, die an Selbstmordattentaten beteiligt waren, berichtet wurde - die Wahrheit selbst herausfinden und den Frauen in die Augen schauen wollte. Sie habe ihnen die Frage gestellt, wie das ist, wenn man weit weg von der Familie plötzlich alleine zu Bett gehen muss, um am Morgen wieder mit sich alleine aufzustehen: "Was denken Sie, wie fühlen Sie, wenn Sie an den Preis denken, den Sie jetzt zahlen müssen, wenn sie an die Tat denken, an das Faktum, dass Sie Menschen umgebracht haben?"

Eine Antwort, die wissenschaftlichem oder politischen Eindeutigkeitsansprüchen genügt, hat sie nicht gefunden. Individualität, Komplexität und Widersprüche sind die Stichworte, die von ihr häufig erwähnt werden. Ihr individueller, nicht politisch motivierter Zugang zu den Frauen vermag es, wie viele Filmbesprechungen herausstellen, eindrucksvolle, intime Nahaufnahmen der Frauen zu erstellen, die sich deutlich von den Schablonen und Phrasen unterscheiden, mit denen die Frauen in der Medienberichterstattung gekennzeichnet werden.

Sie selbst habe, "really vulgar women" erwartet, brutale Frauen, ganz so wie es das verbreitete Stereotyp unterstelle. Tatsächlich aber, sagt Natalie Assouline, habe sie wirklich freundliche Frauen getroffen, Frauen, die oft sehr feminin seien. Und genau dieser offenkundige Kontrast zu den mörderischen Taten gehöre zu den widersprüchlichen Komplexitäten, die die Unfähigkeit, diese Taten zu verstehen, auf das Deutlichste vorführe.

Obschon die Filmemacherin neben Begründungen, die auf die Macht von übermächtigen Ideologien verweisen (Stichwort "gehirngewaschen"), auch einfache soziologische Zuordnungen verweigert, etwa eine eindeutige Antwort auf die soziale Herkunft der Dschihadistinnen - "Mittelklasse oder untere Klasse" - , so bringt der Film auch soziale Dynamiken ans Licht, zum Beispiel die "Radikalisierung in der Zelle", wie dies der Kritikerin der SZ auffiel:

"Und (Assouline, Einfg) zeigt, dass diese Gemeinschaft, wie jede andere Gemeinschaft auch, soziale Kontrolle über ihre Mitglieder ausübt: In Hasharon bedeutet das für einige der Frauen eine politisch-religiöse Radikalisierung weit über jene Überzeugungen hinaus, die sie überhaupt erst dorthin gebracht haben."

Der Film wird heute abend um 23 Uhr15 auf Arte ausgestrahlt.

http://www.heise.de/tp/blogs/6/146909
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