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Hintertür von Schulprogrammen, die Laptops an Schüler verteilen

US-Schulen haben offenbar die Webcams in den Laptops auch für Lauschangriffe auf die Schüler und deren Familie genutzt, die davon nicht begeistert sind.

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Die schöne, neue vernetzte Welt bietet immer mehr Möglichkeiten in Kontakt zu bleiben, auch in einer Form, die nicht von allen gewünscht wird. Nach einer im Namen von 1.800 Highschool-Schülern geführten Massenklage der Eltern von Blake Robbins, einem Schüler der Harriton High School in Rosemont (Pennsylvania), haben die Schulen in dem Lower Merion School District im Herbst den Schülern Mac-Laptops gegeben und dies dann benutzt, um sie auch durch die Laptop-Webcams zu beobachten.

Superintendent Christopher McGinley pries die Fördermaßnahme (one-to-one high school laptop initiative) an, weil sie die Zusammenarbeit verstärke und den Schülern "einen 24/7-Zugang zu den Ressourcen der Schulen und der unterbrechungslosen Arbeit an Projekten und Forschungsarbeiten in der Schule und Zuhause biete". Dass dies auch umgekehrt den Schulen, die die Computer ausgegeben haben, einen 24/7-Zugang zu den Schülern bietet, sagte er hingegen nicht. Dafür schwärmte er von einer "authentischen, mobilen Lernsituation des 21. Jahrhunderts".

Das ist natürlich dreist, weist aber wieder einmal darauf hin, wie schnell durch die Vernetzung die Privatsphäre verletzt werden kann oder wie groß die Versuchung ist, die Informationen zu sammeln, die sich erfassen lassen. Nach der Klage wurden weder Schüler noch Eltern darüber informiert, dass die Webcams in den Laptops aus der Ferne von Mitarbeitern der Schule angeschaltet werden können – und dies nicht nur, wenn sie sich in der Schule aufhalten, sondern auch wenn sie Zuhause sind oder gar nicht am Computer arbeiten.

Dieses Danaer-Geschenk könnten sich möglicherweise manche Hartz-IV-Jäger der deutschen Liberalen zu eigen machen, um durch Verteilung von Laptops die Bildungschancen der Unterprivilegierten zu fördern, aber gleichzeitig damit einen Blick in den Haushalt werfen zu können, um sehen, ob hier alles mit rechten Dingen zugeht. In den USA verlangen die Kläger Schadensersatz aufgrund des Eindringens in die Privatsphäre, den Diebstahls von privaten Informationen und des illegalen Abhörens von elektronischer Information. Ironischerweise gehören die Bewohner des Distrikts vorwiegend wohlhabenden Schichten an, das Schulprogramm wäre daher wohl gar nicht notwendig gewesen, weil die Eltern ihren Kindern auch selbst hätten Laptops kaufen können.

Aufgekommen ist der dreiste Lauschangriff der Schulen durch eine Unachtsamkeit. Eine stellvertretende Direktorin beschuldigte nämlich Anfang November Robbins, dass er sich Zuhause ungehörig verhalten habe – und zeigte ihm auch gleich noch ein Bild, das von seinem Laptop stammte. Und sie erzählte, dass die Schule die Möglichkeit habe, jederzeit die Webcam der Laptops zu aktivieren. Seitdem wurde den Schülern und Eltern klar, dass sie unter Fernbeobachtung standen. Da die Laptops regelmäßig auch Zuhause angeschaltet und verwendet wurden, gehen die Kläger davon aus, "dass viele der gespeicherten Bilder (von der Webcam) Minderjährige sowie ihre Eltern und Freunde in kompromittierenden oder peinlichen Situationen zeigen, beispielsweise in verschiedenen Stadien des Entkleidens".

Der Superintendent des Schuldistrikts versucht die Vorwürfe zu unterlaufen, ohne sie deswegen wirklich entkräften zu können. Man habe sich die Möglichkeit der Fernüberwachung mit den Webcams nur für den Fall eines Diebstahls oder Verlusts eingeräumt, schreibt er auf der Website des Distrikts. Aufgrund der Klage habe man die Überwachungsmöglichkeit ausgeschaltet, obgleich sie nur benutzt sei, wenn ein Laptop abhanden gekommen sei.

http://www.heise.de/tp/blogs/6/147112
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