Die Königin der Erdäpfel darf wieder auf den Teller
Bundessortenamt hebt Verbot von Kultkartoffel wieder auf
Die Webseite des Bundessortenamts weiß noch nichts von der "Sensation", die Kartoffelesser und Gegner folgenreicher "feudaler" Praktiken im Namen des "geistigen Eigentums" gleichermaßen erfreut: Die Neuzulassung der Kultkartoffel "Linda".
Gestern hat das Bundessortenamt in Hannover laut Auskunft des Antragstellers Karsten Ellenberg, einem Landwirt aus Barum, "grünes Licht für Linda" gegeben. Die Entscheidung betrifft einen mehrjähriger Streit über die Kartoffel, in dem sich der Züchternkonzern der Sorte auf der einen Seite und auf der anderen Seite Bauern, vornehmlich aus der biologischen Landwirtschaft, gegenüber stehen. Unterstützungsprominenz aus Politik (Sigmar Gabriel, Christian Wulff) und Fernsehen (Alfred Biolek, Ulrich Wickert "köstliche Bartkartoffel") verlieh dem Thema eine größere Öffentlichkeit:
"Man streitet sich um Linda. Festkochend, gelbfleischig, cremig und butterig im Geschmack, besonders gut geeignet für Aufläufe, sei sie, sagen ihre Anhänger. Seit 1974 ist die Kartoffelsorte auf dem Markt und immer noch beliebt, vielleicht sogar beliebter denn je. Besonders hier in der Lüneburger Heide - wo sie herkommt, wo fast jeder Bauer Linda anpflanzt. Denn Linda ist nicht irgendeine Knolle: Man nennt sie auch 'Königin der Kartoffeln'."
Das Zitat stammt aus dem Herbst 2006, damals befürchtete man, dass "Linda nach und nach aus den Supermärkten, Bauernläden und Markthallen verschwinden" werde. Ende 2004 hatte der Kartoffelzuchtkonzern Europlant Linda vorzeitig von der Saatgutliste streichen lassen, um die Kartoffel nach dreißig Jahren vom Markt zu nehmen. Dagegen protestierten Landwirte vertreten durch Karsten Ellenberg und Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), der für das Recht auf Nachbau eintritt.
Die entscheidende Wende in die Sache brachte ein Urteil aus Großbritannien im August letzten Jahres. Dort wurde Linda als Pflanzkartoffel neu zugelassen - wie jetzt in Hannover.
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