Katholische Kirche in der Glaubwürdigkeitskrise
Nach einer Umfrage schneidet die Kirche vor allem in den Punkten Glaubwürdigkeit und Lebensnähe schlecht ab, der Jesuitenorden hat in den USA Insolvenz beantragt
In den Leserbriefen der Gazetten spiegelt sich schon seit längerem Frustration über die klerikale Erstarrung. Die katholische Kirche ignoriert die Erfahrungen der Menschen, so der Trend. Endlich konkreter die jetzigen Umfrageergebnisse: Nicht einmal ein Drittel der Deutschen (30,3 Prozent) halten die katholische Kirche für ehrlich, so zeigt es die Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Omniquest, die der Kölner Stadt-Anzeiger in Auftrag gab. 1000 Personen wurden befragt, die Resultate jetzt am Wochenende veröffentlicht. . "Lebensnähe" und "Glaubwürdigkeit" bescheinigen der Kirche nach der Erhebung nur 29,9 Prozent bzw. 32,8 Prozent der Befragten. Die Mehrheit, rund zwei Drittel der Menschen, vermisst diese Kardinaltugenden.
Eine klare Mehrheit der Befragten (68,1 Prozent) äußert zudem den Verdacht, dass die Kirche nicht konstruktiv zur Aufklärung der Missbrauchsfälle beitrage. Wen wundert's: Im Deutschlandradio äußerte der Freiburger Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, zwar phrasenhaft erneut die Bereitschaft, mit der Staatsanwaltschaft zusammenzuarbeiten. Allein es mehren sich die Zweifel. Ob ein sexueller Übergriff, im Raum der Kirche ein sogenanntes Offizialdelikt, überhaupt zur Anzeige kommt, ist und bleibt mit einem Fragezeichen versehen. Es gibt letztlich keine Anzeigepflicht.
Der Jesuitenorden hat derweil nach Focus-Informationen in den USA Insolvenz beantragt. Damit beuge er einer möglichen Sammelklage von Missbrauchsopfern auf finanzielle Entschädigung vor. Wie bekannt ist, gestehen amerikanische Gerichte Missbrauchsopfern oft hohe Schmerzensgelder zu. Mehr als zwei Milliarden Euro hat die katholische Kirche dort bereits an Opfer überweisen müssen. Der Sprecher der Deutschen Jesuitenprovinz, Thomas Busch, [www.radiovaticana.org/ted/Articolo.asp?c=358967 widersprach]. Die Vorgänge in den USA hätten nichts zu tun mit den aktuellen Fällen in Deutschland.
Hintergrund: Der Berliner Rechtsanwalt Lukas Kawka hatte nachgeprüft, ob unter den Schülern, die am Canisius-Kolleg in Berlin und an anderen katholischen Schulen sexuell missbraucht wurden, amerikanische Staatsbürger sind. "Dies hätte eventuell eine Klage in den USA ermöglicht, wo wesentlich höhere Schmerzensgelder zugesprochen werden", so Kawka gegenüber Focus. Da der Orden nun "Chapter 11" beantragt habe, eine nach angelsächsischem Recht mögliche Form des Insolvenzantrags, sei eine Klage in den USA "aussichtslos". Während "Chapter 11" sollen die Finanzen eines Unternehmens neu strukturiert werden. Gläubiger können in dieser Phase keine Forderungen stellen.
Darstellungsbreite ändern
Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.
