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Britische Grundschüler (und deren Eltern) lehren Lehrer das Fürchten

Laut einer Umfrage der Lehrergewerkschaft wird das Verhalten der Grundschüler immer schlimmer. Besser erziehen müssten aber nicht nur Eltern der unteren Schicht, heißt es. Auch die Mittelschicht sei an der Vernachlässigung der Kinder beteiligt

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Die britische Lehrergewerkschaft - Association of Teachers and Lecturers - hat eine Umfrage unter mehr als 1000 Lehrern durchgeführt. 48 Prozent der Grundschullehrer beschwerten sich darin, über körperlich aggressives Verhalten ihrer Schüler - abgesehen von Schottland besuchen in Großbritannien Kinder im Alter von 4 ("infant school") bis 11 Jahren ("junior school") die sogenannten "primary schools". Die Wahrscheinlichkeit, dass Grundschullehrer mit Gewalt konfrontiert werden, ist laut Medienberichten zur Umfrage, mehr als doppelt so hoch wie auf weiterführenden Schulen: Die Lehrer, so heißt es etwa im Telegraph, würden "gestoßen, gekratzt, geschubst, gebissen, getreten und bespuckt".

Insgesamt gab die Hälfte aller Lehrer an, dass sie schon einmal Opfer von verbalen Attacken waren, 40 Prozent berichteten von Einschüchterungen. 83 Prozent der Lehrerschaft sollen schon einmal körperlichen Aggressionen, Stößen und Geschubse, ausgesetzt gewesen sein, 48% berichten von Fausthieben und 42 Prozent von Fußstößen - Zahlen, die von BBC veröffentlicht werden. Laut der Generalsekretärin der Lehrer-Gewerkschaft, Mary Bousted, kommt hinzu, "dass ein Drittel der Lehrerschaft Erfahrungen mit gewalttätigen Eltern bzw. Betreuer der Kinder gemacht habe".

Die Einschätzung der Generalsekretärin der Gewerkschaft, Mary Bousted, derzufolge "das Verhalten an Grundschulen schlimmer wird", teilt die Regierung indessen nicht. Das Familien-und Schulministerium verweist, wie BBC berichtet, auf eine Ofsted-Untersuchung, wonach das Verhalten von Schülern an 95 Prozent der Schulen "gut bis hervorragend" sei.

Problem "gutmütige Vernachlässigung" - Erziehungskurse für Eltern"

Bousted plädiert nun für die Einführung von Erziehungskursen für Eltern, was sich nicht auf die unteren Klassen, in jedem Sinn, beschränken soll. Bousted ist davon überzeugt, dass schlechtes Verhalten nicht nur von Sprößlingen aus den unteren Einkommensklassen praktiziert wird, ausdrücklich weitet sie die Zielgruppe der besser zu erziehenden Erziehungsberechtigten auf die Mittelschicht aus:

"Is the problem of bad behaviour confined to a particular class? No it is not. The middle classes are not exempt."

Ihre Kritik visiert, sehr zur Freude der konservativen Times, insbesondere laxe Erziehungspraktiken von Doppelverdiener-Eltern an. Diese würden ihren Kindern gegenüber zu weich sein, zu sehr auf liebevolle Gefühle, die sie empfangen wollen, ausgerichtet als auf die Zukunft der Kinder.

"Gutmütige Vernachlässigung" (im Orginal "benign neglect") gibt das Stichwort für die Kritik Bousteds an modernen Familienverhältnissen ab. Das Symbol dafür ist der elektronische Babysitter, der TV-oder Computerbildschirm in den Wohnungen, die den von der Arbeit erschöpften Eltern von Aufmerksamkeits-und Erziehungspflichten befreien, aber das Risiko vergrößern, dass die Kinder mehr und mehr ein "sozial isoliertes Leben" führen.

Das sei das klassenübergreifende Problem, so Bousted. Wie viele deutsche Erziehungsexperten in jüngster Zeit fordert sie, dass Eltern sich nicht naiv als "beste Freunde" ihrer Kinder begreifen und weniger deren Wünschen nachgeben, um Ruhe zu haben, sondern den Kindern etwas beizubringen, z.B. Gemeinschaft bei täglichen Mahlzeiten, Aufschub von Wunschbefriedigungen und "Disziplin, Zurückhaltung, Besonnenheit, Haushaltsplanung, Sparsamkeit".

http://www.heise.de/tp/blogs/6/147348
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