Wenig Neigung zum "Altruismus" bei Rentnern und Kinderlosen
Studie: Ältere und kinderlose Befragte sind weniger geneigt, öffentliche Transfers für Familien mit Kindern zu unterstützen
Geht es um Geld, so drängt das Eigeninteresse Bedürfnisse anderer in den Hintergrund, gesellschaftliche Interessen sind aus der Perspektive des eigenen Vorteils von zweitrangiger Bedeutung. Wenn es um Staatsgelder geht, die ja auf dem Prinzip der Solidargemeinschaft aufbauen, zeigt sich die Kälte, die dieser Lebensmaxime in kapitalistischen Gesellschaften innewohnt, noch deutlicher wie eine Studie nachweisen soll.
Wenn Rentner und Kinderlose, wie die Neu-Auswertung einer Bevölkerungsstudie sowie einer Befragung zu Generationen- und Geschlechterfragen zeigt, wenig Interesse daran bekunden, dass Familien mit Geldern aus der Staatskasse unterstützt werden, so reflektiert das einen Egoismus, den man an jedem Buffet beobachten kann. Zur auf sich selbst konzentrierten Gier kommt zu Zeiten deutlich schrumpfenden Wirtschaftswachstums noch die Angst, dass die Futterplätze enger werden und der Nachschub versiegen könnte. Großzügigkeit wird schwieriger, von Anmut, die ihre Wirkung auf die Hinwendung zu anderen bezieht, gar nicht zu sprechen. Ein etwas beklemmendes Bild der "Solidar-Gemeinschaft":
"Ältere und kinderlose Befragte sind weniger geneigt, öffentliche Transfers für Familien mit Kindern zu unterstützen, sind aber mehr geneigt, eine Rentenpolitik zu bevorzugen, die der jüngeren Generation eine größere Last aufbürdet".
Das Zitat stammt von Harald Wilkoszewski, der als wissenschaftlicher Koordinator bei Population Europe in Berlin u.a. demografische Forschung betreibt. Die Ergebnisse seiner neuen Studie werden heute auf Welt-Online vorgestellt. Demnach hat Wilkoszewski in einer Metastudie Datensätze aus früheren Studien neu ausgewertet. Im Mittelpunkt standen dabei Fragen nach der Förderung von Familien bzw. von Rentnern: Was Menschen über staatliche Zahlungen für Familien denken und wie wie sie Maßnahmen zur zeitlichen Entlastung junger Eltern einschätzen. Sowie die Frage, ob die Rentenkassen höhere Zuschüsse erhalten sollten, damit die Zahlungen nicht sinken. Die Antworten fallen nüchtern aus:
"Die Zustimmung eines 65-Jährigen zu einer Kindergelderhöhung ist um 85 Prozent weniger wahrscheinlich als die eines 20-Jährigen. Das Einverständnis mit flexibleren Arbeitszeiten für Eltern wird zwischen dem 20. und dem 65. Lebensjahr um 50 Prozent weniger wahrscheinlich. (...) Zudem sprechen sich Ältere viel stärker für Änderungen des Rentensystems zulasten Jüngerer aus. Menschen ab 55 missbilligen die Erhöhung des Rentenalters und die Kürzung der Bezüge, sie befürworten Steuererhöhungen zur Finanzierung der Rente. Bei 65-Jährigen ist die Zustimmung zu Änderungen zugunsten der Älteren um gut 70 Prozent wahrscheinlicher als bei 20-Jährigen."
Altruistische Motive zugunsten der Jüngeren lassen sich laut Wilkoszewski noch bei 50- bis 60-Jährigen finden. Diese Gruppe habe entweder Enkelkinder oder die Hoffnung auf Enkelkinder. So ist auch dieser Altruismus auf die eigene Familie begrenzt. Möglicherweise könne er aber auf den öffentlichen Sektor übertragen werden, heißt es im Bericht der Welt.
Die Untersuchungsergebnisse würden mit dem Glauben aufräumen, dass Einstellungen zu Generationentransfers vor allem von der materiellen Lage und der Bildung der Menschen abhängen. Sie lassen befürchten, "dass es in einer alternden Demokratie mit immer weniger Kindern Jüngere künftig viel schwerer haben, öffentliche Hilfen zu bekommen". Wo es keinen Nachwuchs mehr gebe, schwinde anscheinend die Bereitschaft, an Jüngere zu denken.
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