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Nachrichten aus Kultur und Medien

"Wir wollen nur Nachrichten von Leuten hören, die uns nach dem Mund reden"

Ted Koppel über die globale Medienlandschaft im "Zeitalter des Anspruchsdenkens"

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"Wir bekommen heute nicht die Nachrichten, die wir brauchen, sondern die, die wir wollen." Ein bitteres Urteil über die globale Medienlandschaft fällte Ted Koppel, britischer Veteran des US-Fernsehens vergangene Woche in der BBC-Sendung "World News America".

In einem Gespräch aus Anlass der Bekanntgabe einer Umfrage des Pew Research Center, nach der 60 Prozent der Nachrichtenchefs der amerikanischen Print- und Fernsehmedien den Verfall des Nachrichten-Journalismus konstatieren und der Vergabe des Pulitzer-Preises Anfang der Woche, bei der mit dem Nachrichtenportal "ProPublica" erstmals an ein Online-Medium ausgezeichnet, beklagte Koppel das "Zeitalter des Anspruchsdenkens" - dessen Tage, wie er hofft, allerdings bald gezählt sein werden.

"Es ist ein Desaster: Wir führen zwei Kriege, die wir nicht bezahlen können, wir beanspruchen Kredite, auch wenn wir kein Einkommen haben, wir bezahlen 50 oder 100 Millionen Dollars an Manager obwohl ihre Unternehmungen Totalreinfälle sind", sagte Koppel. In der Entwicklung der Medienlandschaft spiegle sich diese Mentalität: "Wir wollen nur Nachrichten von Leuten hören, die uns nach dem Mund reden, Die Fakten wollen wir nicht mehr." Das sei aber die Schuld der Nachrichtenproduzenten, die "nur noch den allmächtigen Dollar" im Auge hätten, nicht mehr das öffentliche Interesse.

Koppel hat womöglich einen zu idealisierenden, etwas rosaroten Blick auf "die guten alten Tage" des klassischen US-Broadcast-Fernsehens, in der es nur die großen Drei ABC, NBC und CBS miteinander konkurrierten, und auf manche mag es nur wie das Jammern eines alten Mannes wirken. Aber immerhin verbreitete das US-Fernsehen seinerzeit auch die unbequemen Fakten über Vietnam und Watergate in die Wohnzimmer jenes Durchschnittsamerika, das nicht täglich die "Washington Post" las, oder heute "ProPublica" und noch weniger mainstreamige Online-Medien.

Womöglich trifft Koppel den wunden Punkt der Gegenwart, wenn er darauf verweist, Online-Medien und besonders jede Form des zur Zeit so gefeierten "Bürger-Journalismus" könnten die klassischen Medien eben nicht ersetzen. "Zum Journalismus gehört Handwerk, gehört Disziplin, gehört gegenseitige Überprüfung." "Ich finde Informationsvielfalt auch nützlich." Aber wenn sie ungeprüft bleibe, könne sie viel Schaden anrichten.

Der Pulitzer-Preis für "ProPublica" sei schön, aber kein Beweis des Gegenteils, so Koppel: "Die haben eine feste Zusammenarbeit mit der New York Times. Und ich wette mit Ihnen, die New York Times würde ihren Namen nie dafür hergeben, wenn dort nicht alles genau überprüft würde." Koppel weiter: "Wir sind an dem Punkt, an dem wir der Öffentlichkeit dem Umgang mit Online-Informationen beibringen. Wir brauchen eine Medien-Alphabetisierung."

http://www.heise.de/tp/blogs/6/147454
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