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Nachrichten aus Kultur und Medien

Alles neu macht der 1.Mai

"Motherfucker" soll mehr und mehr "Geht nach Hause, Bullen!" ersetzen

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Was den Radau angeht, ist immer alles gleich am 1.Mai, die "Randale" ist längst ein Event, das man kennt. Die Teilnehmer ein gut eingespieltes Ensemble, das jedes Jahr mehr oder weniger das selbe Stück aufführt, wie wir heuer zum mindestens 30ten Mal zu lesen bekommen. Und doch lesen sich solche Szenen, wie sie von der taz überliefert werden, vergnüglich und sie sorgen verläßlich für Aufregung im partizipierendem Publikum des modernen Klassikers "Polizei gegen 1.Mai-Sachbeschädiger in Kreuzberg":

Vor 20 Minuten an der Ecke Grünberger Straße/Gärtner-Straße:

Die Situation auf der Kreuzung ist gerade ruhig. An der Straßenecke stehen Polizisten. Da kommen zwei dunkel gekleidete, vermummte Männer vorbei. Einer von beiden schubst den anderen in die Polizeigruppen, erhebt dann aber selbst die Arme und empört sich. Sofort gehen verschiedene Autonome auf die Polizei los. Was sie nicht gesehen haben: Derjenige, der sich über die Situation empört hat, hat sie selbst verursacht. Die Szene ist verstörend, der Mann nervös. Ein taz-Reporter spricht den Mann an. Dieser möchte nichts sagen und flüchtet sofort zu den Polizisten hin und ruft ihnen etwas zu. Diese sind irritiert. Der Mann flieht vor dem taz-Reporter, möchte den Polizisten etwas sagen, sich offenbar festnehmen lassen. Diese verstehen ihn nicht. Erst nachdem der Mann sich mehrfach zu einem Polizisten überbeugt, wird er schließlich "festgenommen". Die Menge tobt. War hier ein Agent Provocateur im Einsatz?

Wie jeder Opern-und Theaterbesucher weiß, schärfen wiederholte Aufführungen von Klassikern den Sinn für Details und Variationen. So berichten Augen-und Ohrenzeugen von einer bemerkenswerten Änderung in den Reihen der Aktivisten-Statisten und deren Kurztexten auf der Hamburger 1.Mai-Bühne:

Auch in Hamburg sucht man an diesem langen Abend vergeblich nach politischen Parolen, Slogans, Bannern, Fahnen oder Sprüchen. Der Schwarze Block schreit höchstens einmal: "Geht nach Hause, Bullen!" Junge Krawallkinder aus Problemstadtteilen, zahlenmäßig mindestens ebenso stark wie die Autonomen, brüllen überwiegend Unverschämtheiten, in denen die Mütter der Polizisten eine entscheidende Rolle spielen.

Es scheint also ganz so, als ob die erlebnisorientierte Ausrichtung der Hamburger und Berliner-Maispiele das Stück mit Anleihen aus anderen Genres beleben kann. Die politische Relevanz ergibt sich wie immer im größeren Kontext, bzw. verliert sich dort.

http://www.heise.de/tp/blogs/6/147538
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