Frauen hängen die Männer ab
Wie eine schwedische Statistik zeigt, haben die Frauen die Männer im Ausbildungsstand schon überholt und werden in vielen akademischen Berufen dominieren
Die Gesellschaften in den Industrieländern werden nicht nur älter, sie werden auch mehr und mehr von Frauen bestimmt werden, die durch ihre bessere Ausbildung große Teile der gesellschaftlichen Elite dominieren, während die Männer hier zurückfallen und oft auf einfachere Jobs ausweichen müssen.
Nach Prognosen des schwedischen Statistischen Amts SBC findet die Ablösung in Schweden bereits statt und wird sich in den nächsten Jahrzehnten noch beschleunigen. Schon jetzt dominieren in vielen Berufen, die einst von Männern ausgeübt wurden und in denen sie in der älteren Generation noch die Mehrheit stellen, die Frauen in der jüngeren Generation. Überall, nicht nur in Schweden, erzielen die Frauen in der Schule die besseren Ergebnisse und entscheiden sich immer mehr, ein Studium zu beginnen, in dem sie auch oft besser als ihr männlichen Kollegen abschneiden.
Die Wissensgesellschaft könnte also weiblich werden. Möglicherweise sind die Männer für sie nicht so geeignet und konnten sich bislang nur kraft der männlichen Vorherrschaft und des Ausschlusses der Frauen in den Bereichen in den Vordergrund drängen, die eine hohe Ausbildung und Intelligenz benötigen. Möglicherweise schwindet bei den Männern nach der Emanzipationswelle auch die Motivation, weil sie in ihrer Rolle verunsichert wurden und sie sich nun unterlegen fühlen.
Manche Männer wie der Soziologe Amendt beklagen bitter den Sieg des Feminismus, der auch zu einer Feminisierung der Ausbildung geführt habe. Der Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann von der Universität Bielefeld spricht so von einer "gravierende Benachteiligung des männlichen Geschlechts in Erziehungs- und Berufsbildungseinrichtungen". Und gerne wird gejammert: So kann Mann es sich jedenfalls auch schönreden, wenn die Geschlechtsgenossen in den Wissensberufen zurückfallen und gesellschaftlich ins Abseits geraten. Selbst im schwarz-gelben Koalitionsvertrag war das Thema zu finden: Das schwächelnde Geschlecht.
In Schweden haben jetzt schon 39 Prozent der Frauen einen Universitätsausbildung, aber nur 31 Prozent der Männer. 2030 wird der Abstand weiter gewachsen sein, wenn der Trend so bleibt. Dann sollen 50 Prozent der Frauen, aber nur 36 Prozent der Männer ein Studium beginnen - und anschließend entsprechende Karrieren machen. Nach der Vorhersage, die die Zeitschrift Metro veröffentlicht hat, werden dann mehr Frauen als Männer Juristen, Ökonomen, Mediziner, Zahnärzte, Theologen und überhaupt Wissenschaftler sein. Männer werden noch bei den Ingenieuren und Polizisten oder in der Transport- und Holzbranche in der Überzahl sein. Man(n) wird also erwarten können, dass Frauen in der Wirtschaft, in der Wissenschaft und in der Politik mehr und mehr den Ton angeben werden.
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