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Nachrichten aus Kultur und Medien

Soapboxing im Volkspark Tempelhof

Die Berliner Republik bekommt ein neues Menschenrecht - die freie Rede

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Am 16 Uhr des 25.07.2010 konnte jeder, der sich berufen fühlte, im frisch gebackenem Volkspark Tempelhof unter freiem Himmel ohne Vorankündigung zu einem beliebigen Thema einen Vortrag halten. Die Berliner Speakers’ Corner befindet sich in unmittelbarer Nähe zum einzigen Biergarten auf dem ehemaligen Flughafengelände im Nordteil des Parks.

Der Regisseur und Rhetoriker Peter Lüder hatte 138 Jahre nach dem Royal Parks and Gardens Regulation Act, der damals die freie Rede im Hyde Park in London ins Leben berief, diese Tradition nach Deutschland gebracht. Den einzigen Unterschied zwischen der Corner im Hyde Park und der in Tempelhof machen die Tabuthemen aus. In England ist das die Royal Family, in Deutschland sind rassistische Äußerungen und Diskriminierungen jeglicher Art unerwünscht.

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Zum Berliner Auftakt traten 9 Sprecher auf die Bühne. Ungefähr 300 Zuschauer waren vor Ort, davon gefühlte 100 Journalisten und Blogger, und eine Jury bestehend aus einem Regisseur, einer freien Lektorin, einer Poetry Slammerin und einem Professor für Literatur- und Medienwissenschaften. Die Redner sprachen in der ersten Runde 2 Minuten zu einem Thema. 8 von ihnen kamen in die zweite Runde, in der sie in 8 weiteren Minuten ihr angerissenes Thema vertiefen konnten. Am Ende wurden die besten drei Redner geehrt, wobei die Jury nach den Kriterien Inhalt, Darstellung, Struktur und Publikumsresonanz bewerteten. Die vorgetragenen Anliegen spannten sich von zu hohen Mieten und Gentrifizierung über Rechte für Jugendliche, Glück, Marshall Rosenberg, Intersexualität bis zur deutschen Fahne, Marihuanalegalisierung und persönlicher Spendensammlung.

Am Ende belegte der Spendensammler den ersten Platz. Das Publikum verstand die Entscheidung nicht, aber das ist Nebensache, denn in Zukunft wird es keine Jury mehr geben. Die freie Rede steckt in Berlin in seinen Kinderschuhen. Wer ihren weiteren Werdegang verfolgen möchte, kann das jeden Tag im Volkspark Tempelhof tun. Seit dem 26.7.2010 steht an der Stelle der Bühne vom Vortag eine einfache Kiste. Es gibt auch kein Mikrofon und keine Lautsprecher mehr, und die Liegestühle für das Publikum stehen wieder im Biergarten.

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http://www.heise.de/tp/blogs/6/148084
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