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Sex mit Brad Pitt

Der Körper von Angelina Jolie und ihr neuer Film "Salt"

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Es war noch nie schwer, sich Angelina Jolie als Heldin eines Actionfilms vorzustellen, besonders nicht für jene, die das Vergnügen hatten, sie in ihrer allerersten Filmrolle zu sehen: "Cyborg 2: Glass Shadow" heißt der futuristische Thriller, der 1993 ihre erste Filmrolle war. In dem "Terminator"-Rip-Off, der mehr als jener auch eine offene Meditation über das Frankenstein-Thema ist, spielt die 17-jährige einen wunderschönen, kickboxenden und permanent ballernden, überaus lebensähnlichen Super-Roboter, der seinen Schöpfern entflieht, als er begreift, dass er gebaut wurde, um Böses zu tun. Mit dieser Beschreibung sind wir schon fast bei "Salt", außer, dass Salt, Evelyn Salt, ein Mensch ist. Obwohl... Wer ist Salt?

"Today, I russian double agent will travel to New York City, to kill the president. The name of the agent is Evelyn Salt."
"My name is Evelyn Salt"
"Then you are a Russian spy."
Filmdialog

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Bild: © Sony Pictures

Früher, da gab es Filme, aus denen man herauskam und ein besserer Mensch werden wollte. Oder wenigstens sein Leben ändern. Heute hat man nach dem Kino vor allem das Bedürfnis, eine heiße oder eine kalte Dusche zu nehmen. "Salt" ist eher der Typ Film für eine kalte Dusche, was ohne Frage für den Film spricht. Denn dieser Film ist alles, was Kino, jedenfalls Blockbuster-Kino, also sinnfreies Entertainment, sein kann - und damit zweifellos mehr als zum Beispiel "Inception", der genauso sinnfrei ist, aber dazu nicht stehen will. "Sinnfrei" heißt, dass nur der Ordnung halber erzählt wird - natürlich nicht, dass der Film uns nicht trotzdem eine Menge erzählen würde - ganz im Gegenteil. Er tut das halt nur nebenbei, nicht programmatisch.

Die Perfektion der Jolie

Der Auftritt als Cyborg legte die Saat für die Karriere, den Stil der Auftritte und das Image von Jolie bis zum heutigen Tag. Selbst als Teenager mit großen Augen umgab sie immer etwas Schweigsames, Kühles, Sphinxhaftes. "Glas Schatten", selbst das passt hervorragend. Immer hinterließ sie den Eindruck einer übergroßen Unabhängigkeit, eines Wesens, das keine Schwäche zulässt, zulassen will und auch nicht zulassen muss, einer Frau, die die Arbeit auch ohne die Männer erledigen kann. Auch ihre erste große Hollywood-Rolle, ebenfalls unter dem australischen Regisseur Philip Noyce, war eine Art Cyborg: In "The Bone Collector" spielt sie eine junge Polizistin, die eine Art Ersatzkörper, ein Avatar für ihren querschnittgelähmten Chef, gespielt von Denzel Washington, bildet, für ihn die Aufträge erledigt - und in Gefahr kommt.

Sie ist unfassbar. Die Perfektion der Jolie, die in der Perfektion dieser Rolle gespiegelt wird. Salt ist unfehlbar. Salt ist auch unmenschlich; ein einfach mal haushoch überlegener Kampfroboter, ein weiblicher Terminator. Was ihr vom Drehbuch an Menschlichkeit angeschminkt wird, ist ein Witz, ungefähr auf dem Niveau wie der Einfall, ihren Ehemann von August Diehl spielen zu lassen. Man kann das nur ironisch nehmen. Und dann funktioniert es auch, weil Jolie mit Ironie gut umgehen kann. Jetzt gleich zu sagen, dass Angelina Jolie einen Sinn für Ironie besäße, das ginge nun wieder zu weit. Seit wann besäßen Maschinen Humor? Im Gegenteil: Mit guten Gründen kann man vermuten, dass Jolie ziemlich wenig Ironie besitzt. Aber sie kann damit umgehen.

Eine Borderline-Figur, verlogen, irgendwie verrückt

Und man kann nicht wegsehen. Irgendetwas ist da, irgendein ungelöstes Rätsel. Vielleicht wirklich dieses Terminatormäßige, dieses Nicht-von-dieser-Welt-Sein. Wobei Jolie tatsächlich ein Geheimnis zu haben scheint. Sie ist kein Nichts auf zwei Beinen wie Tom Cruise, der zwar auch bestimmt viele Geheimnisse hat, die man aber gar nicht wissen will.

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Bild: © Sony Pictures

Jolie hingegen ist ein einziges Vergnügen: Dynamisch, gelassen, voller Präsenz, mit der Selbstverständlichkeit eines Menschen, der für genau das geboren wurde, was er da tut. "Sie ist am nächsten dran an einem Errol Flynn oder Burt Lancaster unserer Tage", schrieb die wunderbare Stephanie Zacharek. Ein Vergleich, bei dem man dann allerdings wieder denkt: Gut, sie hat alles, aber Leichtigkeit hat sie nicht. Diese Sphinxhaftigkeit der Angelina Jolie steht noch zur Entschlüsselung an. Gut möglich dass da gar nichts zu entschlüsseln ist. Aber sie zwingt uns, es zu versuchen. Ihre Sicherheit ist, wie der US-Kritiker David Edelstein schreibt: "diabolisch".

Eine Borderline-Figur, verlogen, irgendwie verrückt, ohne Gefühle, ohne Psychologie und ohne Humor.

Ganz und gar auf Leere aufgebaut

"Salt" ist für diesen Star der perfekte Film: Ein Film, an dessen Grund eine große Leere herrscht. Ein Film, an dem irgendetwas stört, verstört. Aber bei dem das nicht soviel ausmacht. Noch mehr als bei "Bourne" weiß man bis zum Ende nicht, ob einem diese Heldenfigur eigentlich sympathisch sein soll. Es ist eine Heldin, deren Leben ganz und gar auf Lügen aufgebaut ist. Eine Heldin, die offenbar eine Kreation des Bösen ist, die sich von ihren Schöpfern emanzipiert hat - ganz wie Frankensteins Monster in Mary Shelleys Roman. Eine Heldin, deren eigenes Selbst wir bis nach dem Abspann noch nicht erkennen durften.

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Bild: © Sony Pictures

Salt ist eine CIA-Agentin, eine in jeder Hinsicht hochtrainierte, auf Russland spezialisierte Ein-Frau-Abteilung, die beispielsweise in der Lage ist, aus Alltagsgegenständen in kürzester Zeit Mordwaffen herzustellen. Eine Mata Hari des Cyberzeitalters, in der Jolie/Salt mit Fantomas-Gesichtsmasken aus Gummi ebenso hantiert, wie mit künstlichen Gebissen, Kontaktlinsen, etc. - was alles auch die Cyborghaftigkeit ihres Körpers betont.

Nur: Warum um Himmels willen muss sie mit einem Hemd wie August Diehl verheiratet sein? Und warum muss August Diehl im Film so heißen wie der unter Schimpf und Schande zurückgetretene CDU-Ossi-Minister: Michael Krause. Vielleicht soll alles nur an den Bond-Film "In Your Majesty's Secret Service" erinnern. Aber dafür ist diese Liebe dann wieder viel zu behauptet.

Gar nicht auszudenken, wenn Tom Cruise diese Rolle gespielt hätte. Vielleicht gerade weil diese Rolle für Cruise geschrieben wurde, und weil Jolie/Salt in gewissem Sinn einen Cruise-Auftritt hat.

Unter den modernen Regisseuren ist Noyce very Old-School. Er zerschneidet die Szenen nicht mit der Geschwindigkeit eines Maschinengewehrs, benutzt lange Kamerafahrten, gibt allem einen einzigen eleganten Guß. Ein Film, der die Bewegung und Verfolgung von Körpern im Raum inszeniert, ohne diese zu zerstören.

"Salt" ist auch im Vergleich zu den sonst schon ziemlich an den Haaren herbeigezogenen Hollywood-Plots sinnlos. Dazu nur da wichtigste Beispiel: Warum eigentlich taucht Orlov am Anfang überhaupt als Überläufer auf? Was hat er davon Salts Identität preiszugeben?

Öffentlicher Tagtraum

Das alles spielt keine Rolle, wenn man den Film als das begreift, was er ist: Ein Star-Vehikel in Reinform: "Startum" schrieb Susanne Weingarten, "beruht auf einer permanent inszenierten Körperlichkeit, und dies gilt insbesondere für weibliche Stars." Auf Angelina Jolie trifft es jedenfalls zu: Sehr schlanke Taille, überproportional großer Busen, langes Haar, im Film noch durch unterschiedliche Färbung überbetont. Ein Körper, der quasi militarisiert, einer strengen Disziplin unterworfen ist und zugleich in einer Spannung zwischen Schönheit/Auffälligkeit und Effizienz steht. Die Idealgestalt der "phallischen Frau" im Kino.

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Bild: © Sony Pictures

So verschmelzen Rolle und Starimage in diesem Film. Es scheint das Selbstverständlichste von der Welt, dass Jolie die CIA übers Ohr haut, ins Weiße Haus einbricht und den Präsidenten rettet, und dass Salt ein Dutzend Kinder adoptiert, vor der UNO Reden hält und mit Brad Pitt Sex hat.

"Salt" ist ein maßgeschneidertes Rollen-Kostüm für den Star Angelina Jolie. "Salt" ist der öffentliche Tagtraum der kollektiven Idee von Jolie. Von Jolie, die längst, als persona, zum Mythos unseres Alltags geworden ist. Wir müssen anfangen, mit Jolie zu reden.

http://www.heise.de/tp/blogs/6/148279
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