Morden für einen Heiligen
In Argentinien soll ein Mann wöchentlich einen Mord verübt haben, damit ihn "San La Muerte" beschützt
In katholischen Gegenden bildeten sich für Heilige häufig bestimmte Zuständigkeiten heraus: Sie wurden zu Schutzpatronen bestimmter Berufsgruppen und bekamen Aufgabenbereiche zugewiesen: So soll etwa Sankt Florian vor Feuer schützen und der Heilige Antonius helfen, verlorene Sachen wiederzufinden.
Vor allem in Lateinamerika entwickelten sich auch Heiligenfiguren, die nur bedingt mit der – wenn man so will "katholischen Orthodoxie" vereinbar sind: Eine davon ist "San La Muerte", der "Heilige Tod" – eine Art Schutzpatron der Verbrecher, der in Paraguay, im Norden Argentiniens und im Süden Brasiliens verehrt wird. Nicht erforscht ist bislang, inwieweit "Santa Muerte", die in Mexiko und im Süden der USA verehrt wird, bei der Verbreitung des Heiligenkults eine Rolle spielte – allerdings sind die Ähnlichkeiten zwischen den Figuren verblüffend: Sie sind nicht nur für identische Bereiche zuständig und werden als Skelett dargestellt, das häufig eine Sense trägt, sondern weisen auch hinsichtlich des Umgangs mit ihnen eine ganze Reihe von gemeinsamen Besonderheiten auf:
So bittet man sie beispielsweise nicht einfach um Hilfe, sondern droht ihnen regelrecht. Bei den vorgetragenen Forderungen ist das eigene Glück zudem häufig mit dem Schaden anderer verbunden, etwa, wenn der beziehungsweise die Heilige um den Tod eines Widersachers oder um Beistand bei Prügeleien angesucht wird. Und ihre Anhänger bringen den mythologischen Gestalten nicht nur vor Bildern Speise-, Trank-, und Rauchopfer dar, sondern auch vor dreidimensionalen Figuren, die angeblich auch aus abgefeuerten Patronen und aus den Knochen Verstorbener gefertigt werden, was ihnen besondere magische Qualitäten verleihen soll.
In Buenos Aires nahm die Polizei nun einen Zweiundzwanzigjährigen namens Marcelo Antelo fest, der San La Muerte angeblich versprach, einmal in der Woche einen Menschen zu töten, wenn die Fantasiefigur ihm dafür beschützt und für sein wirtschaftliches Wohlergehen sorgt. Dem in Verbrecherkreisen als "Marcelito" bekannten Mann werden bis jetzt sechs Morde konkret vorgeworfen – wegen zahlreicher anderer ungeklärter Todesfälle ermittelt die Polizei derzeit noch.
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| San-La-Muerte-Schrein in Argentinien |
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