Das Ende der DSL-Flatrate?
Die spanische Telefónica begrenzt über die britische Tochter O2 Downloads und will diese Politik in Spanien massiv ausweiten
Mehr oder weniger unbemerkt hat die Telefónica in den Geschäftsbedingungen für O2-Kunden in Großbritannien ein Download-Limit eingezogen. Wer bei der britischen Tochter der spanischen Firma seit Juli einen Vertrag für eine "DSL-Flatrate" abgeschlossen hat, wird sich vielleicht schon gewundert haben, dass er kein Zugang mehr zum Netz hat, weil das monatliche Download-Limit überschritten und die Verbindung gekappt wurde. Im O2-Forum haben sich schon Benutzer über Beschränkungen beschwert.
Denn die hatten offensichtlich nicht bemerkt, dass Limits eingezogen wurden. "There is a 20GB monthly usage allowance. If you use more than 20GB in any month, we'll give you a written warning (by email or otherwise). In extreme circumstances, if the levels of activity don’t decrease in line with our instructions after the warning, we may terminate or suspend your Services." Dass es sich bei den Beschränkungen um eine allgemeine Strategie handelt, zeigt sich vor allem auch bei einem teureren Produkt. Anders als man bei dem Namen "All Rounder" vermuten würde, wurde auch dafür eine Grenze für das "fair usage limit of around 100GB" eingezogen. Dabei heißt es in der Kurzinformation, surfen "as much as you want". In Klammern wird auf die "Fair Usage Policy" (nicht verlinkt) hingeweisen. Das Limit wird dabei aber nicht einmal erwähnt.
Seit Wochen füllt der ehemalige spanische Staatsmonopolist die spanischen Medien mit Hinweisen darauf, dass einige Netizen das Netz in Spanien sehr stark - also "unfair" - belasten würden. Das derzeitige Modell sei "nicht nachhaltig", meint die Telefónica, die über hohe Zugangskosten hohe Gewinne verzeichnet. Die Firma behauptet: "In Spanien produzierten etwa 5% der Benutzer von Breitband-Anschlüssen 75% des Datenverkehrs." Deshalb müssten die auch mehr bezahlen, die mehr Daten empfangen oder senden. Damit ist das Ziel klar benannt, dass die Telefónica noch stärker Kasse machen will.
So wird in Spanien allgemein davon ausgegangen, dass die Firma in Großbritannien derzeit nur einen Modellversuch durchzieht. Auch dort wird die Maßnahme mit Hinweisen darauf sekundiert, dass angeblich viele Nutzer zu viel bezahlten und damit viele Millionen Pfund verschwenden würden.
In Spanien will der Ex-Staatsmonopolist, der mit starker Rückendeckung durch die Regierung für überdurchschnittlich hohe Preise für den Netzzugang sorgt, das gesamte Preissystem ändern. Statt den Tarif, wie derzeit üblich, über die Geschwindigkeit der Verbindung festzulegen, soll demnächst auch in Spanien für die Datenmenge bezahlt werden. Eine entsprechende Absprache gäbe es schon unter den Anbietern, die im Netz der Telefónica als Provider auftreten, berichtet Banda Ancha.
Damit dürfte die Telefónica erneut die vorherrschende Stellung am Markt ausnutzen, um anderen Anbietern die Bedingungen zu diktieren, sonst würde es sich ein Kartell handeln. Beide Annahmen sind möglich, wie sich auch im Handy-Sektor schon gezeigt hat. Die größte spanische Firma wurde aber auch schon 2007 von der EU-Kommission mit der Rekordstrafe von 152 Millionen Euro belegt, weil sie ihre Stellung als Internetanbieter missbraucht hat.
Dass dies allerdings weiter der Fall ist, zeigt schon die Tatsache, dass ein Netzzugang in Spanien etwa 24 % teurer ist als im EU-Durchschnitt. Das ist besonders krass, weil die Einkommen unter dem Durchschnitt liegen. Das sorgt dafür, dass Spanien bei der Netzbenutzung weiter zurückfällt. Die Netizen hatten deshalb schon eine Verringerung der Mehrwertsteuer angemehnt. Die kam nicht, dafür hat die Regierung mit der allgemeinen Anhebung der Mehrwertsteuer ab Juli die Kosten für die Internetnutzung weiter erhöht.
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