"Geistiges Eigentum" an der Kartoffel, ein EuGH-Verbot der Privatkopie und ein "astro-historischer Sensationsfund"
Die Aprilscherze 2011
Immaterialgüterrechtsthemen eigneten sich 2011 möglicherweise deshalb besonders gut für Aprilscherze, weil man in der Vergangenheit von "Arschlecken" bis hin zu plagiierten Witzen so viel Unglaubliches mit Monopolschutz bedachte oder bedenken wollte, dass hier die Grenze zwischen Realität und Satire ohnehin relativ verschwommen ist. Die Eingeborenenschützer von Survival International beispielsweise verlautbarten, dass ein "UN-Tribunal für Geistiges Eigentum" den südamerikanischen Indianern ein Immaterialgüterrecht an der Kartoffel zugesprochen habe, weshalb zukünftig ein Prozent des weltweiten Handelsumsatzes, den Bauern und Händler mit der Feldfrucht machen, an Indigenas abgeführt werden müsse, die damit Land zurückkaufen wollten.
Das Rechtsportal Telemedicus meldete gestern, dass der Europäische Gerichtshof (EuGH) die deutschen Regelungen zur Privatkopie "gekippt" und bis zum Juli neue gesetzliche Grundlagen dafür gefordert hätte. Durch angeblichen Politikerstellungnahmen, die die Reformschwierigkeiten beim Urheberrecht mit denen beim Atomausstieg verglichen (und spätestens beim Durchlesen der verlinkten Urteilsbegründung) wurde aber klar, dass es sich um einen Aprilscherz handelt. Ertwas gröber war der Scherz der Rhein-Zeitung, die berichtete, der EuGH habe eine Art Persönlichkeitsrecht für Tiere eingeführt, weshalb nun massenhaft Katzencontent im Web gelöscht werden müsse. Für diese Meldung wäre das Hamburger Landgericht die glaubhaftere Instanz gewesen.
Die Stiftung Deutsches Technikmuseum verschickte zum 1. April eine Pressemitteilung, in der ein kleiner Feldstein mit aufgeritzten Gestirnen als Vorläufer der Himmelsscheibe von Nebra angepriesen wurde – einem etwa 3.600 Jahre alten Objekt, für dessen Abbildung das Land Sachsen-Anhalt ein "Leistungsschutzrecht" beansprucht, was man ebenfalls leicht für einen Aprilscherze halten könnte. Bei der Meldung zum "Stein von Nebra" konnte der Leser aber trotz der Echtheit der seit 2005 laufenden Gerichtsprozesse um "geistiges Eigentum" an Gegenständen aus der Bronzezeit anhand von Namen wie "Allegoriowich Mystiviczinsky", "Sebastian C. Herz", "David Fraud" und "Winfried Hoacks" merken, dass sie offenbar nicht ernst gemeint war. Trotzdem brachten gestern einige Medien die Geschichte vom "astro-historischen Sensationsfund" – ob aus Unkenntnis oder als Aprilscherzkomplizen, ging dabei nicht immer ganz klar hervor.
Weniger ausgefeilte Aprilmeldungen waren, dass die (nach eigener Einschätzung) "oberfränkische Wettertanne" Karl-Theodor von und zu Guttenberg wahlweise Bildzeitungschef oder Nachfolger der (laut Harald Schmidt) "oberfränkischen Wettentante" Thomas Gottschalk werden soll, dass die Berliner FDP Thilo Sarrazin als Spitzenkandidaten nominiert, dass der Landkreis Bautzen mit einem Zwang zur Geschwindigkeitsüberschreitung ein Theater finanzieren will und dass die EU plant, Fitnessgeräte an das Stromnetz anzuschließen.
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