Kopfbälle und Hijab
Die Fifa berät darüber, ob Fußballerinnen die Kopf- und Nackenbedeckung künftig erlaubt wird
Am 3.März trifft sich die der internationale Fußballverband FIFA in London, um neue verbindliche Regeln für den Ballsport festzulegen. Dazu gehört diesmal auch eine Entscheidung, die einen "großen Einfluss auf das Leben von Hundertausenden von jungen Musliminnen haben wird" (Curtis R. Ryan), nämlich, ob es künftig Frauen erlaubt sein wird, mit einem Hijab offizielle Fußballturniere zu bestreiten.
Bislang dürfen sie das nicht, was im Juni 2011 zum Ausschluss des iranischen Frauenfußballteams bei einem Olympia-Qualifikationsturnier in Amman geführt hatte. In Iran löste die Entscheidung starken Protest aus - auch Präsident Ahmadinedschad äußerte sich dazu und bezeichnete die FIFA als "Diktatoren und Kolonialisten, die anderen ihren Lebensstil aufzwingen wollen". Aber auch andere Länder - eingeschlossen jene, die nicht in die üblichen Kalten-Kriegs-Lager eingeteilt werden können -, und deren Vertreter zeigten sich entrüstet über die FIFA-Entscheidung, die eine weit gespannte und langanhaltende Debatte nach sich zog (siehe den lesenswerte Beitrag dazu in Foreign Policy: The politics of FIFA and the Hijab).
Das Argument derjenigen, die für eine Lockerung eintreten - wie dies übrigens auch der ehemalige Manager von Werder Bremen, Willi Lemke, seit 2008 UN-Sonderbeauftragter für Sport, tut - trägt im Kern die Auffassung, dass der Hijab kein religiöses Symbol sei, sondern ein kulturelles. Den Frauen sollte erlaubt sein, ihre kulturellen und persönlichen Entscheidungen selbst zu treffen - ohne Einmischung seitens meist männlicher Autoritäten, ob dies nun Regierungen sind oder die FIFA. Als Beleg dafür, dass man hier nicht der Logik fundamentalistischer Herrschaften folgt, wird auf das jordanische Frauenfußballteam verwiesen. Anders als zum Beispiel in Saudi-Arabien - das gar kein Frauenfußballteam erlaubt - ist in Jordanien das Tragen eines Schleiers nicht vorgeschrieben, dennoch wollen einige jordanische Spielerinnen ihre Haare und ihren Nacken bedecken.
Diese Freiheit sollte ihnen gestattet sein, so die Forderung der Befürworter. Zu denen gehört der asiatische Fußballverband (Asia Football Confederation, AFC) und auch Neuseeland, die weltweit tätige Vertretung von Profifußballern FIFPro und die Weltmeister, das japanische Frauenteam.
Von Seiten der FIFA wurde lange Zeit das Sicherheitsargument ins Feld geführt: Spielerinnen könnten am Hijab gezogen werden und seien dadurch einer größeren Verletzungsgefahr ausgesetzt. Dies wäre allerdings auch bei längeren Haaren bzw. einem Pferdeschwanz der Fall. Die extra für Sportaktivitäten entwickelten Hijabs, die aussehen wie verlängerte Bademützen, gehen bei einem stärkeren Zug auf, was das Sicherheitsargument ausschaltet. Im Herbst letzten Jahres signalisierte die FIFA, dass sie das Verbot aufheben will.
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