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Nachrichten aus Kultur und Medien

Lebende Mohammedkarikaturen

Das Paradoxon des gewaltsamen Protests zur Ehrenrettung

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Mohammed ist nicht nur der häufigste Vorname auf der Welt – er dürfte es auch unter jenen Salafisten sein, die seit eineinhalb Wochen vor Botschaften, Konsulaten, Presseclubs und anderen Einrichtungen wüten. Gestern waren davon in besonderer Weise die pakistanischen Städte Peschawar, Karatschi und Islamabad betroffen, wo unter anderem Kinos abgefackelt wurden und mindestens 16 Menschen am von der Regierung ausgerufenen "Tag der Liebe für den Propheten" ums Leben kamen.

Dabei geben die kreischenden Brandstifter und Mörder ein Bild ab, das jenen in den von ihnen als Anlass für ihre Handlungen genannten Filme und Zeichnungen bemerkenswert ähnlich ist. Zumindest die Mohammeds unter ihnen sind also lebende Mohammedkarikaturen und beleidigen mit ihrem Verhalten gerade jenen Namenspatron, dessen Ehre sie zu schützen vorgeben.

Dass dieser Widerspruch in ihren Köpfen (abgesehen von Einzelfällen) fruchtbar wird, ist allerdings unwahrscheinlich: Denn wenn so ein Widerspruch auftritt, dann verbrennt der organisierte religiöse Fanatismus lieber das, was ihn daran erinnert, als dass er ihn zum Erkenntnisgewinn nutzt. Das hat eine lange, lange Tradition – gerade auch in Europa. Fast scheint es, als ob die Vernichtung dessen, was nicht ins festgefügte Weltbild passt und dies zu ändern droht, ein so grundlegendes Gemeinsames von religiösem Fanatismus ausmacht, dass man dies ins Zentrum der Definition des Phänomens stellen sollte.

Und vielleicht sollten Imame, denen wirklich etwas am Ehrenschutz ihres Propheten liegt, einmal anfangen, den lebenden Mohammed-Karrikaturen die Namen zu entziehen und dafür zu sorgen, dass sie von der Nachbarschaft nur noch "Kevin" gerufen werden. Der Bart im Stile des Propheten muss natürlich auch ab. Und statt eines langen Leinenhemds werden sie verpflichtet, zu Strafe eine telekomfarbene Radlerkombi zu tragen. Mit Helm.

http://www.heise.de/tp/blogs/6/152827
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