Art Spiegelman erhält Siegfried Unseld Preis
Der Zeichner wurde durch seine Darstellung des Dritten Reichs mit Tierfiguren bekannt
In den 1980er Jahren erregte der New Yorker Art Spiegelman mit einem Comic Aufsehen, in dem er Geschehnisse aus der Nazizeit und der Zeit danach mit Mäusen (Juden), Katzen (Deutschen), Schweinen (Polen), Fröschen (Franzosen), Fischen (Briten) und Hunden (Amerikanern) wiedergab. Trotz der Tatsache, dass Spiegelman der Nachkomme eines Holocaustüberlebenden ist und sein Comic auf Erzählungen seines Vaters Vladek beruht, beschlagnahmte eine deutsche Staatsanwaltschaft 1995 ein Maus-Plakat wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen nach § 86a des Strafgesetzbuchs (StGB).
17 Jahre später ist sein Werk auch in Deutschland so unumstritten, dass er am heutigen Sonntag den mit 50.000 Euro dotierten Siegfried Unseld Preis verliehen bekommt, den vor ihm unter anderem Bruno Latour und Amos Oz in Empfang nehmen konnten. In den USA war man bereits vor 20 Jahren zu dem Ergebnis gekommen, dass Spiegelman als zweitem Comic-Autor in der Geschichte der Pulitzerpreis gebührt.
Der 64-Jährige war jedoch nicht der einzige Zeichner, der den Holocaust und das Dritte Reich thematisierte, wie Ralf Palandt in seinem Sammelband Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus in Comics unlängst eindrucksvoll darlegte. Palandts aktuell in der Evangelischen Versöhnungskirche der KZ Gedenkstätte Dachau gezeigte Ausstellung Holocaust im Comic ist vom 8. Oktober bis zum 2. November im Archiv der Jugendkulturen zu sehen. Am 9. Oktober findet dort zusätzlich das Symposion Archiv der "Kampf um die Köpfe: Comics von und gegen Rechts" statt.
Die Bundeshauptstadt Berlin, wo das Archiv der Jugendkulturen ansässig ist, machte in den letzten Wochen wieder verstärkt durch Angriffe auf Juden Schlagzeilen: Am 28. August schlugen in Friedenau vier arabischstämmige Jugendliche unter Zuruf antisemitischer Schmähungen einem 53-jährigen Rabbiner die Nase ein und bedrohten seine sechsjährige Tochter mit dem Tod. Bevor sie scheinbar anlasslos angriffen, hatten sie den Kippaträger angehalten und gefragt, ob er Jude ist. Kurz darauf kam heraus, dass 13 jüdische Schülerinnen vor einer Turnhalle von einer Tätergruppe orientalischer Herkunft fotografiert und bedroht wurden.
Darstellungsbreite ändern
Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.




