Im Süden Deutschlands liest und rechnet man besser..
... und kann, zumindest in der vierten Klasse in Bayern, auch besser zuhören - ein bundesweiter Vergleich von Grund- und Förderschulen bestätigt im Großen bekannte Bildungsunterschiede
Die bayerischen Viertklässler lasen und rechneten am besten und sie konnten auch am besten zuhören. Bei der letzten Kategorie waren sie die einzigen, die deutlich oberhalb des Mittelwertes liegen. Die vorab veröffentlichten Ergebnisse eines bundesweiten Leistungsvergleichs von mehr als 30.000 Viertklässlern an über 1.300 Grund- und Förderschulen bestätigen manches, was in der Bildungsdiskussion immer wieder vorgebracht wird. Dass die Schüler in den südlichen Bundesländern besser abschneiden und Berlin, wie auch Bremen und Hamburg, zurückliegen.
Tatsächlich schneiden die Viertklässler in diesen Stadtstaaten sowohl beim Lesen wie in der Mathematik am schlechtesten ab, mit Ergebnissen deutlich unter dem Durchschnitt. Ganz vorne, nur knapp hintern den Bayern, zeigten Schuler aus Sachsen und Sachsen-Anhalt Überdurchschnittliches beim Lesen und bei den mathematischen Tests. Thüringen beim Lesen und Baden-Württemberg in der Mathematik gehörten ebenfalls zu den besten im Vergleich der 16 Bundesländer.
Die Prüfungsstandards setzte die Kultusministerkonferenz. Man habe sich nur wenig an den bekannten internationalen Tests, PISA, IGLU, TIMSS, orientiert, heißt es; die Kultusministerien hätten ganz eigenständige Kriterien verabredet, um bundesweite Bildungsstandards festzulegen, das war die Basis für den Leistungsvergleich. Manche Länder dürften froh sein, dass sie damit nicht dem internationalen Vergleich ausgesetzt sind.
Der vollständige Bericht soll heute veröffentlicht werden. Ein genauerer Blick dürfte sich lohnen. Denn die bisher veröffentlichten Ergebnisse nach dem Muster der Sportberichterstattung mit Spitzengruppe, breitem, dicht gedrängten Mittelfeld und Absteiger bestätigen im Großen ein Phänomen, mit sich gute Bildungspolitik nicht einverstanden erklären darf: "In allen Bundesländern zeigt sich erneut eine hohe Abhängigkeit von sozialer Herkunft und Bildungserfolg."
Wie das im Einzelnen aussieht, wenn etwa der Migrantenanteil oder der Anteil der unteren Einkommensklassen höher ist, könnte vielleicht auch das bayerische Erfolgsbild mit interessanten Nuancen versehen.(Einfügung: In einem Artikel der FAZ, der erschien, als der gesamte Bericht bekannt war, ist zum Beispiel zu lesen: "In Bayern, dem einzigen Land, das mit der Förderung Leistungsstarker keine Schwierigkeiten zu haben scheint, sind die Leistungsstarken aus gebildeten Elternhäusern im Lesen fast 1,5 Schuljahre weiter als die Leistungsschwächsten aus bildungsfernen Elternhäusern.")
Marianne Demmer, von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), sieht wenig Erkenntnisförderndes in der neuen Vergleichstudie. Sieger und Verlierer seien immer gleich, die genauen Gründe dafür wisse man aber auch zehn Jahre nach den ersten Pisa-Studie noch nicht: "ein Buch mit sieben Siegeln". Eine Bemerkung, die CSU-Bildungspolitiker sicher gerne aufnehmen. So sicher wie sie den Vorschlag Demmers kritisieren werden, der auf ein tiefenschärferes Bild hinauswill: Sinnvoller sei es ihr zufolge, "nicht komplette Bundesländer, sondern wirtschaftlich und soziokulturell ähnliche Regionen miteinander zu vergleichen".
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