Emo-Captcha
Die schwedische NGO Civil Rights Defenders hat eine neue Form der "Menschlichkeitsabfrage" entwickelt
"Captcha" steht für "Completely Automated Public Turing test to tell Computers and Humans Apart". Captcha-Felder, in die (in der Vorlage meist schlecht lesbare) Buchstaben und Zahlen eingegeben werden müssen, sollen bei Filehostern, bei Google und anderswo sicherstellen, dass die Dienste von Menschen und nicht von Bots genutzt werden. Man beweist also durch die Eingabe – wenn man so will – seine "Menschlichkeit". Die schwedische NGO Civil Rights Defenders hat dies in einer Nebenbedeutung zu ihrem frei verfügbaren PHP-Tool Civil Rights Captcha inspiriert. Dort muss der Nutzer keine sinnlose Zeichenfolge eingeben, sondern eine Frage beantworten. Die lautet beispielsweise:
The punk group Pussy Riot were sentenced to two years in prison after a 41 second long performance in Moscow, Russia. How does that make you feel?
Die Antwortmöglichkeiten darauf sind "quite joyful", "pleasant" und "offended". Nur eine davon wird als die richtige anerkannt.
Oder:
The Minister for Human Rights in Montenegro thinks that the existence of homosexuals in Montenegro is bad news. How does that make you feel?
Wer hier "talented" oder "very proud" als Antwort eingibt, der kommt nicht weiter. Lediglich mit "really low" überwindet man die Hürde. Sheldon Cooper (der in einer Big-Bang-Theory-Folge auf die Frage, wie er sich fühlt, die Antwort gibt "Ich bin Physiker – kein Hippie!") hätte hier möglicherweise Schwierigkeiten, aber dem Großteil der Bevölkerung in zivilisierten Ländern dürfte es kaum Probleme bereiten, zu erraten, welche Antwort die von den Entwicklern gewünschte ist.
Ob sich dadurch Einstellungen ändern oder ob sie sich durch die Bevormundung verfestigen, steht freilich auf einem anderen Blatt. Ebenfalls fraglich ist, ob Blogs und Foren damit Trolle fernhalten können, wie Wired spekuliert. Die Autoren selbst geben an, dass sie mit ihrem Tool vor allem möglichst viele Internetnutzer auf Fälle von Menschenrechtsverletzungen aufmerksam machen wollen, die nicht überall gleich viel Medienaufmerksamkeit erfahren.
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