Ein Quantum Gewalt
Was viele vermuten, haben Forscher nun bestätigt: Die Gewalt in Spielfilmen, zumindest in James-Bond-Filmen, hat in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen
Bond, James Bond – Titelheld zahlreicher Actionfilme, die nun einige Forscher der neuseeländischen University of Otago unter die Lupe genommen haben. Die Sozialmediziner wollten der Frage auf den Grund gehen, ob die Gewalt in Spielfilmen während der letzten Jahrzehnten tatsächlich zugenommen hat, wie in den Medien oft berichtet und gemutmaßt wird. Die James-Bond-Streifen nahmen sie hierfür als Maßstab, da die Reihe durchgängig über Jahrzehnte und Generationen hinweg ein großes Publikum mit abendfüllenden Spielfilmen anspricht.
Für ihre Studie, die in den Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine veröffentlicht wurde, haben sich die Wissenschaftler die DVDs angeschaut und nach Gewaltszenen Ausschau gehalten. Mit Ausnahme des aktuellsten Films Skyfall, der vor Abschluss der Studie uraufgeführt wurde, haben die Mediziner sämtliche Teile seit "James Bond jagt Dr. No" aus dem Jahr 1962 untersucht. Zum Klassifizieren der Gewalt benutzten sie die großangelegte "US 1997 National Television Violence Study", die all jene Szenen als gewaltvoll einstuft, bei denen ein Mensch absichtlich einem anderen Schaden zufügen möchte – wobei eine Ohrfeige in Bud-Spencer-Manier weniger schwer wiegt als ein Schusswechsel.
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| Aus dem Skyfall. Bild: Sony Pictures |
Während solche "harmlosere" Gewalt bei den Bond-Filmen auf einem ziemlich konstanten Level blieb, hat die "ernsthafte" Gewalt über die Jahre hinweg stetig zugenommen: Insgesamt birgt "Dr. No" 109 Gewaltszenen, während es beim 2008 erschienenen "Ein Quantum Trost" 250 solcher Einstellungen gibt – bei den "ernsthaften" Gewaltszenen hat "Ein Quantum Trost" sogar dreimal so viel Gewalt zu bieten als der Erstling von 1962. Nimmt man alle relevanten Szenen, dann hat sich die Gewalt seit Beginn der Reihe mehr als verdoppelt; am gewalttätigsten war übrigens "Der Morgen stirbt nie" aus dem Jahr 1997.
"Die Ergebnisse untermauern unsere Hypothese, dass Spielfilme im allgemeinen gewaltvoller geworden sind", schlussfolgern die Autoren. Bob Hancox, einer der Ko-Autoren der Studie, ist über diese Ergebnisse besorgt, da die Bond-Filme häufig auch von Jüngeren gesehen werden – die Altersfreigabe in Deutschland beispielweise liegt für die Reihe bei 12 Jahren: "Die Gesellschaft sollte ein wachsames Auge haben wegen möglicher Schäden, wir sollten die Altersbeschränkung an die dargestellte Gewalt angleichen. Es gibt eine Fülle an wissenschaftlichen Studien, die nahelegen, dass junge Menschen für Gewalt und aggressives Verhalten desensibilisiert werden, wenn sie solche Filme konsumieren", mahnt Hancox.
Natürlich gibt es eine mindestens ebenso große Fülle an Studien, die zeigen, dass der Konsum von gewalttätigen Spielfilmen – und selbst die aktuellen James-Bond-Filme gehören da sicherlich zur Kategorie "harmlos" – bei Jugendlichen nichts anrichtet. Wer sagt eigentlich, dass die Gewalt in der realen Welt tatsächlich zunimmt? Und ist es nicht vielmehr so, dass die Medien einige Einzelfälle massiv hochbauschen und uns eine Gewalt-Welt vorspielen, die es sonst nur bei James Bond gibt?
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