Fred Wilson hat einen interessanten Artikel online in dem es unter anderem um die Frage geht, wie Blogs und Blogs sich unterscheiden.
Fred Wilson hat da einen interessanten Artikel online in dem es unter anderem um die Frage geht, wie Blogs und Blogs sich unterscheiden.
Wie sich also Blogs von Redaktions-Teams mit kommerziellen Konzepten unterschieden von Solo-Blogs von ... Bloggern.
Als der Ex-Blogger-und-Blogberater-und-jetzt-wieder-Blogger Martin Röll nach einem ersten Bloggertreffen hier in der Ecke Stuttgart-Karlsruhe, bei dem er zu Gast war, polemisch fragte, warum man denn Bloggertreffen mache und keine E-Mailer-Treffen, was also denn eigentlich das "Gemeinsame von Bloggern" sei, das solche Zusammenrottungen rechtfertige, antwortete ich damals - es war glaube ich 2003 oder 2004-, dass Bloggern gemeinsam sei, dass sie das Publizieren nicht Verlagen und anderen Medienanbietern überlassen wollten. Das sah Martin ein.
2004 markierte aber auch den Zeitpunkt, zu dem ich meine ersten Blogjobs hatte: Für Gadgetmania und das "kundenzeitunsgartige" Gadget-Blog eines Tastatur- und Mausherstellers - wobei dort interessanterweise explizit nicht über die Produkte des Herstellers gebloggt wurde. In beiden Fällen war es auch nicht so, das sei am Rande erwähnt, dass palettenweise Testgeräte angrollt wären.
Ich merkte recht schnell, dass ich für diese 'Blogjobs' ganz anders agieren musste und auch wollte, als für meine 'normalen' Blogeinträge. Davor waren mir Backlinks, Kommentarfrequenz und Besucherzahlen herzlich schnuppe. aber wenn ein Kunde Geld auf den Tisch legt, will er natürlich auch etwas sehen. Besucher, Kommentare, Backlinks eben. Er hat ja kein Interesse, sein Oma-Erbe zu verprassen, sondern will möglichst mit Werbung einen Hauch mehr einnehmen, als er dem Blogger bezahlt und der Server kostet.
Das heißt, dass man nicht nur bloggt, was einem gerade so in den Sinn oder unter die Maus kommt, sondern dass man möglichst systematisch versucht, die aktuell 'heißen' Themen abzudecken -ohne immer den selben Blogs 'hinterher zu schreiben'- und gleichzeitig auch noch den einen oder anderen Schatz als erster zu heben.
Wilson hat nicht unrecht: Solche Teams und "Profiblogger" agieren ziemlich verschieden von "Einfach so"-Bloggern.
Ein anderes Experiment am eigenen Kopf war auch hilfreich. Ich berichtete von einem CCC-Event in Karlsruhe für Telepolis (einen Überblicksartikel), zwei Zeitungen -mit jeweils unterschiedlichen Einzelthemen aus dem Kongress-, einmal war es die Landesseite einer "Großstadtszeitung", einmal die Computerseite einer Regionalzeitung) und livebloggend in meinem Blog.
Naiv wie ich war dachte ich: "Ha, das bloggst du live, dann nimmst du die Liveblogbeiträge und machst Copy/Paste, arbeitest sie ein bisschen um und... voila, 3 Artikel."
Faktisch waren die Liveblogbeiträge allerhöchstens als Notizen zu gebrauchen, so wie man sich auch sonst bei Events eben Notizen macht: Namen, Zitate, Ablauf.
Der ganze "Ton" der Artikel war so verschieden - auch zwischen Landesseite und Computerseite, und für Telepolis sowieso - dass kaum ein Satz, und sei es auch nur das übliche "Wer-wo-wie-wann-was-warum", recyclebar gewesen wäre.
Für Gadgetmania hatte ich irgendwann eine ganz eigene Schreibweise erfunden (die hier in deisem BLOG gelegentlich und absichtlich durchscheint und die Grammatikpolizei irritiert), die sich eher an das Gespräch und die mündliche Form anlehnte und mir für ein Dialogmedium wie Blogs recht passend schien.
Um zum Oberthema zurückzukommen: Blogs und Blogs und ihre Unterschiede.
Ich sehe mehrere Tendenzen:
* 'Klassische' Medien, die Blogs in ihren Mix integrieren. nennen wir mal Handelsblatt udn TAZ als Beispiele.
* Medien, die neue und eigene Plattformen aufsetzen. Sagen wir: "Der Westen" von der WAZ-Gruppe und Germanblogs von Holtzbrinck (leben die noch? - Disclosure: Ich hab da mal geschrieben.)
* Blogplattformen, die sich als Verlag strukturieren, was grob heißt, dass es eine thematisch-redaktionelle Steuerung und eine Anzeigenakquise gibt und dass die Blogger aufwandsabhängig bezahlt werden. Beispiele: Der abgebrochene Versuch der Spreeblick KG -was dann in den Anzeigenvermarkter Adical/Adnation mündete-, die Blogwerk AG (D: wo ich auch schreibe) und eine ganze Reihe von US-Vorbildern. voran die Techcrunch-Familie.
* Einzelblogs als Fulltime-Job in Abhängigkeit von einem oder einer kleinen Zahl von Auftraggebern/Finanziers, Paradigma: "deutsche startups"
* Einzelblogs mit vielen Besuchern, die Anzeigeneinnahmen haben, aber oft nicht Fulltime-Job sind. Also das Spektrum von Basic Thinking (D: mit Robert kooperiere ich geschäftlich) über wirres und andere Blogs aus den deutschen Top 100.
* Die große und überwiegende Masse an Privatblogs, meist werbefrei und manchmal aus guten Grund ohne Impressum.
(Die Pseudoblogs der SEOs lassen wir hier mal außen vor, das ist der Dschungel.)
Etwa in diesem Spektrum dürfte sich auch verteilen, wie "redaktionell" oder "journalistisch" in dem Blog agiert wird oder wie sehr Rücksichten sowohl auf Publikum (was den Blogger angeht) als auch auf Werbetreibende (was eher den Verlagsaspekt berührt) in die Mitte oder an den Rand rücken.
Was Wilson andeutet, dass hier ein "Tod der Blogosphäre" ("Film at 11") oder eben ein Revival anstehe, sehe ich nicht so. Es ist eher die Frage die schon häufig diskutiert wurde: Ob der "Kopf" des Long-Tail sich nicht notwendigerweise unter einem Professionalisierungsdruck den Gepflogenheiten der Mainstream-Medien annähert. Ich sehe auch kein Problem, diese Megablogs weiter Blogs zu nennen, denn so wird das Konzept weiter verbreitet - was dann wieder zum Anwachsen des 'Tails' führt: je mehr Blogs bekannt sind, desto mehr Leute legen einfach los und bilden genau das Gegengewicht zu den Massenmedien als das Blogs angetreten sind.
Und am Freitag ist wieder Bloggertreffen.
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PS: Diesmal wegen grundloser Kopfschmerzen nur eine etwas zu offentlichtliche Anspielung auf einen Klassiker der amerikanischen Arbeiterliteratur. Anyone?
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