Alt-Bundeskanzler Schmidt vergleicht Lafontaine mit Le Pen und Hitler
In einem BamS-Interview machte sich der ehemalige Regierungschef, der demnächst 90 wird, für den Wechsel an der SPD-Spitze stark.
In die Diskussion über den Führungswechsel in der SPD von Kurt Beck zu den Schröderianern Steinmeier und Müntefering hat sich nun auch Altbundskanzler Helmut Schmidt eingereiht und noch ein paar Töne zugelegt. Bekannt ist, dass Schmidt die Agenda 2010 befürwortet, während er gegen eine Öffnung zur Linkspartei ist, weswegen er auch den Kurs von Beck kritisierte. In einem Interview mit Bild am Sonntag (BamS), gab sich Schmidt zunächst zurückhaltend und sagte, er habe Mitleid mit Beck gehabt, machte aber noch einmal deutlich, dass er hinter der Schröder-Politik und der Agenda 2010 steht.
Ausgehend von der Frage, ob es gut sei, wenn Parteivorsitz und Kanzlerschaft/Oppositionsführerschaft getrennt seien, ging es darum, dass Politiker charismatisch und argumentativ überzeugend sein müssten. Persönliche Ausstrahlung hätten Franz-Josef Strauß, Willy Brandt oder Kurt Schumacher gehabt, nicht aber Helmut Kohl. Seine eigene sei mittelmäßig, Schmidt versteht sich als Mann des Arguments. Charisma spricht er zudem Obama zu, fügt aber gleich hinzu, dass dies noch nicht heißt, dass er auch ein guter Politiker ist. Und dann nennt er noch Hitler und Lafontaine. Später vergleicht er auch noch den rechtextremen Le Pen mit Lafontaine, weil sie beiden "Populisten" seien.
Schließlich sagt Schmidt auch noch, dass sich die Wähler von den "demokratischen Parteien" ab- und sich Populisten zuwenden. Gefragt, ob er damit die Linkspatei mein, sagte er: "Nicht allein die Linkspartei, ebenso die NPD und ähnliche. Es ist ja kein Zufall, dass solche Gruppierungen – linke wie rechte – gerade in den Teilen Deutschlands ihre Wahlerfolge feiern, in denen es den Menschen wirtschaftlich nicht so gut geht. Also vor allem in den sechs neuen Bundesländern." Er rechnet, möglicherweise weil dort SPD und Linke eine Koalition eingegangen sind, auch Berlin zu den neuen Bundesländern. Im Übrigen ist auch seltsam, wenn Schmidt eine prinzipielle Grenze zwischen demokratischen Parteien und Populisten zieht, bei der die Inhalte – etwa rechts oder links – völlig egal zu sein scheinen. Als populistisch ließe sich zudem die Gleichsetzung von Lafontaine und Obama mit Hitler sehen.
Mag sein, dass Schmidt das nur so herausgerutscht ist. Natürlich dürfte er politisch nicht Obama, Hitler, Le Pen und Lafontaine in eine Reihe gestellt haben, sondern sie nur im Hinblick auf ihre persönliche Ausstrahlung verglichen haben, aber eine Gleichsetzung von Hitler mit dem ehemaligen SPD-Ministerpräsidenten, Parteivorsitzen und Kanzlerkandidaten dürften ihren Zweck nicht verfehlen und offenbart zugleich die Wunde, die der Übertritt von Lafontaine zur Linken, die mittlerweile ein immer größeres Wählerpotenzial der SPD zu sich ziehen, gerissen hat. So meinte Schmidt, dass auch in der SPD niemand mehr die Agenda 2010 vertreten habe, weswegen "der Saarländer ein bisschen kiebig" geworden sei.
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