Nachbarländer Boliviens unterstützen Morales
Das "Massaker" an den Indios wird von den Regierungschefs von UNASUR verurteilt, eine Abtrennung der reichen Provinzen wird abgelehnt und ein Dialog gefordert.
Die neun Präsidenten der Mitgliedsländer der Unión de Naciones Suramericanas (UNASUR) haben sich gestern in Santiago de Chile hinter die Regierung von Evo Morales gestellt. Die chilenische Ministerpräsidentin Michelle Bachelet, derzeit Vorsitzende von UNASUR, hatte den Gipfel einberufen, nachdem die Präfekten der rohstoffreichen Provinzen Widerstand gegen das geplante Referendum über die neue Verfassung organisierten und es daraufhin zu Angriffen auf Behörden und Gegner kam. Die bolivianische Regierung sprach von einem Putsch und wies den US-Botschafter aus, da er verdächtigt wurde, mit den Separatisten gemeinsame Sache zu machen.
Die Präsidenten beschlossen die Einrichtung einer Kommission, um die Unruhen zu untersuchen, bei denen mindestens 30 Menschen getötet wurden. Allein 15 Indios waren von einer paramilitärischen, von der Provinzregierung unterstützten Gruppe am Wochenende in der Provinz Pando getötet und 36 durch Schüsse verletzt worden, zwei wurden, wie eine forensische Untersuchung ergab aus nächster Nähe erschossen, einer erwürgt.
Mit der Zusammenkunft, so Bachelet, haben die Regierungschefs ihre Solidarität mit dem bolivianischen Volk zeigen wollen. Es gebe unter keinen Umständen eine Rechtfertigung für Menschenrechtsverletzungen, um politische Ziele durchzusetzen. In ihrer Erklärung versichern sie, dass sie keine Situation anerkennen werden, die durch einen Putschversuch oder eine Störung der staatlichen Institutionen zustande kommt oder die territoriale Integrität des Landes in Frage stellt. Verurteilt werden die Angriffe auf Behörden durch militante Regierungsgegner. Vor dem Beginn eines Dialogs zwischen der Regierung und den oppositionellen Provinzen, der von einer Sonderkommission von UNASUR und der OAS unterstützt wird, sollen die besetzten Behörden von den bewaffneten Gruppen geräumt werden. Seit Tagen verhandeln Vertreter der Regierung und der Provinzen über eine Vereinbarung, um in einen Dialog einzutreten. Es heißt, man komme voran.
In La Paz gingen Zehntausende auf die Straße, um gegen die separatistischen Provinzen zu demonstrieren. Campesinos haben aus Protest die Blockade von Zufahrtswegen nach Santa Cruz erweitert. Die fünf Provinzpräfekten haben erklärt, die Streiks abzubrechen, um in einen bislang abgelehnten Dialog mit der Regierung einzutreten. Morales wird aufgefordert, für die Beendigung der Blockaden zu sorgen. Die bolivianische Regierung hat den Präfekten Leopoldo Fernánde der Provinz Pando wegen des "Massakers" an den Indios des Völkermords beschuldigt und eine Klage eingereicht.
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