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05.10.2008Politik-News
Nachrichten aus Politik & Wirtschaft

Trotz 85 Milliarden Dollar staatlicher Unterstützung steht es nicht gut um den US-Versicherungskonzern AIG

Ähnlich wie beim weltgrößten Versicherungskonzern sind auch die Risiken der Bürgschaft für die Hypo Real Estate hoch.

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Die deutschen Finanzinstitute hatten schon Schwierigkeiten, sich mit 8,5 Milliarden an der angeblich erforderlichen Bürgschaftssumme von 35 Milliarden Euro für die Hypo Real Estate zu beteiligen, während der Staat und damit alle Bürger mit 26,5 Milliarden oder drei Viertel der Gesamtsumme gerade stehen sollen. Ob damit wieder Vertrauen in das deutsche Finanzsystem einzieht, war von Anfang an ebenso fraglich wie die Begründung, dass ohne die Stützung der HRE das gesamte Finanzsystem gefährdet gewesen sei. Zwar stiegen am Freitag die Aktien von HRE wieder in die Höhe, doch offenbar war alles nur auf Sand gebaut und noch viel schlimmer, da die vereinbarten 35 Milliarden nicht reichen, sondern allein bis Ende des Jahres 50 Milliarden notwendig sind, um die HRE zu retten. Die Banken zogen denn auch gleich ihre Zusage zurück. So ist nun erst einmal fraglich, ob die HRE in die Insolvenz trudelt oder ein weiteres, nicht weniger ungewisses "Rettungspaket" geschnürt wird.

Ein Blick in das Wild-West-Land des Finanzkapitalismus, in dem der Kongress nicht nur den 700 Milliarden US-Dollar Fonds gebilligt, sondern schon in mehreren teuren Aktionen Finanzinstitute durch Verstaatlichung gerettet hat, könnte zeigen, wie es weiter geht. Vor zwei Wochen sprang die US-Regierung durch die Notenbank dem weltweit größten Versicherer AIG zur Seite und hat für 85 Milliarden Dollar fast 80 Prozent der Aktien des Konzerns übernommen. AIG hatte sich mit Collateralized Debt Obligations (CDOs) wie viele andere verzockt und war deswegen in Schieflage geraten.

Die New York Times berichtet, dass AIG von den staatlichen Krediten in Höhe von 85 Milliarden Dollar bereits innerhalb von zwei Wochen 61 Milliarden in Anspruch genommen hat. 53-54 Milliarden, so AIG-Chef Liddy, seien zur Stützung der Konzernbranchen gegangen, die mit den riskanten strukturierten Wertpapieren zu tun haben. Das übrige Geld sei in die Aufrechterhaltung des täglichen Betriebs geflossen, weil die Aktien des Konzerns in den Keller gefallen sind und sich trotz Stützungskaufs noch nicht wirklich erholt haben. Die staatliche Unterstützung war eigentlich dafür vorgesehen gewesen, dass der Versicherer in Ruhe die riskanten Wertanlagen verkaufen sollte, ohne zu Dumpingpreisen gezwungen zu sein. Damit hat AIG aber noch gar nicht begonnen – wobei eh die Frage ist, wer außer dem Staat mit seinem eben vom Kongress gebilligten Fonds dies jetzt kaufen will -, muss aber sich jetzt von Teilen des Konzerns trennen. Auch das stößt vermutlich auf Schwierigkeiten, weil Interessanten in der gegenwärtigen Situation Probleme haben dürften, dafür Kredite aufnehmen zu können.

Aufgrund des schnellen Schwunds der 85 Milliarden hat die Ratingagentur Moody's die Herabstufung der Kreditwürdigkeit von AIG um einen Punkt vorgenommen, Standard & Poor hat sie am Freitag auf "A-minus" zurückgestuft. Der Versicherer muss die staatlichen Kredite innerhalb von zwei Jahren zurückzahlen. Je mehr er in Anspruch nimmt, desto mehr muss er an Vermögenswerten und Bereichen verkaufen und desto kleiner wird der Restbestand von AIG, der eine verhältnismäßig wachsende Schuld zu tragen hat - und auch das Verlustrisiko für den Staat wachsen lässt. Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit wegen der strukturierten Wertpapiere hatte AIG kurz vor die Pleite gebracht.

http://www.heise.de/tp/blogs/8/116931
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