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Politik & Wirtschaft

US-Banker wollen trotz Krise an ihren Bonuszahlungen festhalten

Nach Recherchen des Guardian könnten bis zu 70 Milliarden Dollar erfolgsverbundener Zahlungen für 2008 an die Mitarbeiter von sechs großen Banken gehen, die am Rettungspaket partizipieren.

Josef Ackermann hat mit seiner Ankündigung, dieses Jahr großzügig mitsamt dem übrigen Vorstand auf Bonuszahlungen zu verzichten, zumindest einen Druck auf die anderen Banker nicht nur in Deutschland ausgeübt, auch wenn ihre Banken nicht an den staatlichen Rettungspaketen partizipieren sollten. Jetzt sehen sie sich zumindest genötigt, zu den vorgesehenen Bonuszahlungen Stellung nehmen zu müssen. Commerzbank-Vorstandssprecher Martin Blessing gab inzwischen - ebenfalls in der Bild - Fehler der Bankbranche und auch seiner eigenen Bank zu und kritisierte Ackermanns "Verzicht" auf den Bonus für 2008: "Ich kann doch nur auf etwas verzichten, was mir auch zusteht. Nur wenn man ein gutes Ergebnis für das Unternehmen erwirtschaftet, also Erfolg hat, steht einem auch ein Erfolgsbonus zu."

Auch in den USA sollte mit dem 125-Milliarden-Dollar-Einkauf in die neun großen Banken (Goldman Sachs, Morgan Stanley, J.P. Morgan Chase & Co, Bank of America - einschließlich Merrill Lynch -, Citigroup, Wells Fargo, Bank of New York Mellon und State Street Corp) ein Verzicht auf exzessive Verdienste der Bankvorstände und -angestellten einhergehen. Allerdings stellt sich jetzt heraus, so berichtet der Guardian, dass Angestellte und Manager von den sechs größten Banken dieses Jahr Bonuszahlungen für erzielte Erfolge in Höhe von 70 Milliarden Dollar erhalten sollen - immerhin ein Zehntel der Summe des US-Rettungspakets. Von Erfolg lässt sich allerdings nicht gerade sprechen, wenn die Kurse von Goldman Sachs und Citigroup seit Beginn des Jahres um 45 Prozent eingebrochen sind, bei Merrill Lynch und Morgan Stanley um 60 Prozent oder bei JP Morgan Chase um 6,4 Prozent.

Die Erfolgsauszahlungen wären geradezu grotesk, würden sie tatsächlich stattfinden und dabei alle negativen Erwartungen an die staatliche Unterstützung des Finanzsystems bestätigen. Laut Guardian würden die Mitarbeiter von Morgan Stanley 10,7 Milliarden an Bonuszahlungen erhalten, womit sie, je nach aktuellem Aktienkurs, zusammen gleich die Bank aufkaufen könnten. Goldman Sachs will 11,4 Milliarden, JP Morgan 6,5 Milliarden, Merril Lynch 11,7 Milliarden über die "erfolgreichen" Banker ausschütten. Besonders absurd ist, was aber die Mentalität im Bankensektor zu kennzeichnen scheint, dass kurz vor der Pleite von Lehmann Brothers noch 6,12 Milliarden Bonuszahlungen vorgesehen waren, obwohl die Verluste gigantisch gewesen sind und das Ende abzusehen war. Dick Fuld, der Chef von Lehman bis 2007, unter dem die Bank auch in die Bredouille geraten ist, hat zwischen 2000 und 2007 immerhin 485 Millionen verdient. Aber das ist eben der persönliche Gewinn, während die Banken und zuletzt der Staat für die Verluste aufkommen.

Florian Rötzer18.10.2008
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Kommentare lesen (66 Beiträge)
Mit den eigenen Argumenten zurückschlagen
Du kriegst das Geld bestimmt nicht
Dazu hatte ich mir bei einem anderen Artikel Gedanken gemacht:

 
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