p
18.10.2008Politik-News
Nachrichten aus Politik & Wirtschaft

US-Banker wollen trotz Krise an ihren Bonuszahlungen festhalten

Nach Recherchen des Guardian könnten bis zu 70 Milliarden Dollar erfolgsverbundener Zahlungen für 2008 an die Mitarbeiter von sechs großen Banken gehen, die am Rettungspaket partizipieren.

  • drucken
  • versenden

Josef Ackermann hat mit seiner Ankündigung, dieses Jahr großzügig mitsamt dem übrigen Vorstand auf Bonuszahlungen zu verzichten, zumindest einen Druck auf die anderen Banker nicht nur in Deutschland ausgeübt, auch wenn ihre Banken nicht an den staatlichen Rettungspaketen partizipieren sollten. Jetzt sehen sie sich zumindest genötigt, zu den vorgesehenen Bonuszahlungen Stellung nehmen zu müssen. Commerzbank-Vorstandssprecher Martin Blessing gab inzwischen - ebenfalls in der Bild - Fehler der Bankbranche und auch seiner eigenen Bank zu und kritisierte Ackermanns "Verzicht" auf den Bonus für 2008: "Ich kann doch nur auf etwas verzichten, was mir auch zusteht. Nur wenn man ein gutes Ergebnis für das Unternehmen erwirtschaftet, also Erfolg hat, steht einem auch ein Erfolgsbonus zu."

Auch in den USA sollte mit dem 125-Milliarden-Dollar-Einkauf in die neun großen Banken (Goldman Sachs, Morgan Stanley, J.P. Morgan Chase & Co, Bank of America - einschließlich Merrill Lynch -, Citigroup, Wells Fargo, Bank of New York Mellon und State Street Corp) ein Verzicht auf exzessive Verdienste der Bankvorstände und -angestellten einhergehen. Allerdings stellt sich jetzt heraus, so berichtet der Guardian, dass Angestellte und Manager von den sechs größten Banken dieses Jahr Bonuszahlungen für erzielte Erfolge in Höhe von 70 Milliarden Dollar erhalten sollen - immerhin ein Zehntel der Summe des US-Rettungspakets. Von Erfolg lässt sich allerdings nicht gerade sprechen, wenn die Kurse von Goldman Sachs und Citigroup seit Beginn des Jahres um 45 Prozent eingebrochen sind, bei Merrill Lynch und Morgan Stanley um 60 Prozent oder bei JP Morgan Chase um 6,4 Prozent.

Die Erfolgsauszahlungen wären geradezu grotesk, würden sie tatsächlich stattfinden und dabei alle negativen Erwartungen an die staatliche Unterstützung des Finanzsystems bestätigen. Laut Guardian würden die Mitarbeiter von Morgan Stanley 10,7 Milliarden an Bonuszahlungen erhalten, womit sie, je nach aktuellem Aktienkurs, zusammen gleich die Bank aufkaufen könnten. Goldman Sachs will 11,4 Milliarden, JP Morgan 6,5 Milliarden, Merril Lynch 11,7 Milliarden über die "erfolgreichen" Banker ausschütten. Besonders absurd ist, was aber die Mentalität im Bankensektor zu kennzeichnen scheint, dass kurz vor der Pleite von Lehmann Brothers noch 6,12 Milliarden Bonuszahlungen vorgesehen waren, obwohl die Verluste gigantisch gewesen sind und das Ende abzusehen war. Dick Fuld, der Chef von Lehman bis 2007, unter dem die Bank auch in die Bredouille geraten ist, hat zwischen 2000 und 2007 immerhin 485 Millionen verdient. Aber das ist eben der persönliche Gewinn, während die Banken und zuletzt der Staat für die Verluste aufkommen.

http://www.heise.de/tp/blogs/8/117565
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
bilder

seen.by


TELEPOLIS