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Politik & Wirtschaft

Al-Qaida-Chef Sawahiri warnt Obama

Obama wird als "Hausneger" beschimpft, der den von Bush begonnenen "Kreuzzug" nur weiterführe und die Muslime verraten habe.

Von Bin Laden war zur US-Präsidentschaftswahl nichts zu hören. Eigentlich hatte man erwartet, dass er wieder eine Botschaft versenden würde, um auf al-Qaida aufmerksam zu machen. Möglicherweise haben die vermehrten Angriffe der pakistanischen Soldaten und der Kampfdrohnen im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet dafür gesorgt, wo man ihn vermutet, dass er auf der Flucht ist oder sich versteckt hält, sollte er noch leben.

Dafür hat sich nun verspätet Sawahiri, der als Vizechef von al-Qaida gilt, mit einer kurzen, von as-Sahab verbreiteten Audio-Botschaft (Abschrift auf Englisch) gemeldet, um den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl zu kommentieren und wohl vor allem ein Lebenszeichen zu geben. Ob Bin Laden und Sawahiri überhaupt noch einen konkreten Einfluss auf islamistische Terrornetzwerke ausüben, ist fraglich..

Sawahiri beginnt gleich damit, der muslimischen Ummah zu gratulieren, dass die USA mit der Wahl von Obama die Niederlage im Irak eingeräumt hätten, da dieser für den Truppenabzug eintrete. Die Niederlage sei schon seit Jahren offensichtlich gewesen, Bush und die Seinen hätten dies nur immer geleugnet. Aber Sawahiri will auch den künftigen Präsidenten Obama gleich einmal warnen, dass die geplante Umschichtung von Truppen von Irak nach Afghanistan ein Fehler und eine Fortsetzung der "Verbrechen des Kreuzzugs" sei. Obama wisse nichts von der Ummah, der Gemeinschaft aller Muslime, die sich stets gegen Invasoren zur Wehr gesetzt habe, erinnerte an die Kriege der Sowjetunion und Großbritanniens und drohte, dass Obama nur Tausende von Soldaten schicken solle, da "die Hunde Afghanistans das Fleisch der amerikanischen Soldaten schmackhaft gefunden haben".

Und dann wirft Sawahiri, stets vorgeblich für alle Muslime sprechend, Obama dieselbe "kriminelle amerikanische Einstellung" vor, weil er sich hinter Israel gestellt und damit gegen die Muslime. Er habe sich aber auch gegen amerikanische Muslime Malcolm X gestellt, auch wenn er der Sohn eines muslimischen Vaters ist. Während Malcolm X ermordert wurde, sei Obama Christ geworden und habe sich bei den Feinden des Islam eingereiht. Sawahiri wirft ihm vor, so wie Conoleezza Rice oder Colin Powell ein "Hausneger" geworden zu sein, wie dies Malcolm X genannt habe. Mit der Übernahme der Präsidentschaft würde Obama "den gewalttätigsten Kreuzzug gegen die Muslime" weiter betreiben, was aber "zu einem Erwachen und einer Renaissance des Dschihad". Die Mudschaheddin werden von Sawahiri zum Kampf gegen die Amerikaner aufgerufen. Besonders hervorgehoben werden die Kämpfer im Irak und in Somalia.

Sawahiri wendet sich schließlich auch an alle "Schwachen und Unterdrückten", um das Reich des Bösen zu dämonisieren: "Amerika hat nur ein neues Gesicht aufgesetzt, aber sein Herz ist voller Hass, seine Seele ertrinkt in Gier und sein Geist, der das Böse, Mord, Unterdrückung und Despotismus verbreitet, bleibt derselbe." Die Gotteskrieger werden im Gegensatz zu den bösen Amerikanern dann als "Speerspitze des Widerstands" dargestellt. Den Amerikanern sagt er, Bin Laden habe ihnen schon gesagt, sie sollten sich aus den islamischen Ländern zurückziehen. Sie müssten sich entscheiden, dann aber auch die Konsequenzen der Entscheidung tragen.

Konkrete Drohungen vor Anschlägen in den USA äußert Sawahiri nicht, was möglicherweise darauf hinweisen könnte, dass es noch einen gewissen Einfluss auf Gruppen in Afghanistan, Pakistan, Somalia und im Irak gibt, darüber hinaus aber nicht mehr.

Florian Rötzer19.11.2008
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