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01.12.2008Politik-News
Nachrichten aus Politik & Wirtschaft

Taliban wollen Verteidigung der Westgrenze Pakistans übernehmen

Pakistan entdeckt die militanten Patrioten

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Die Anschläge von Mumbai haben die Welt verändert. Zumindest die nicht ganz unwichtige Welt der Stammesgebiete in der Grenzregion zwischen Pakistan und Afghanistan. Wie heute von der zweitgrößten englischsprachigen pakistanischen Tageszeitung The News International berichtet wird, geht in der Federally Administered Tribal Area (FATA) eine von manchen befürchtete, in ihrem Tempo aber erstaunliche Umwertung vor sich: Alle militanten Gruppen, die dort gegen Regierungstruppen kämpfen – "von Südwasiristan bis Bajaur" – haben der Zeitung zufolge nach den Anschlägen von Mumbai Kontakte zur Regierung aufgenommen. Man sucht einen Waffenstillstand.

Und die Regierung gibt Zeichen, dass die patriotische Botschaft angekommen ist: "Wir haben keine großen Streitpunkte mit den Militanten in der FATA", erklärte ein "Top-Security-Vertreter" gegenüber der Presse:

"Wir hatten nur ein paar Missverständnisse mit Baitullah Mehsud und Maulana Fazlullah. Diese Missverständnisse können in einem Dialog ausgeräumt werden."

In der Dachzeile der Nachricht wird gar behauptet, dass der Armeevertreter Baitullah Mehsud und Fazlullah als "Patrioten" bezeichnet habe.

Baitullah Mehsud ist ein berüchtigter Anführer von Gotteskriegern, dem enge Beziehungen sowohl zur alten Talibanführung wie zur al-Qaida nachgesagt werden. Außerdem wird er verdächtigt, bei der Ermordung von Benazir Bhutto eine wichtige Rolle gespielt zu haben. Maulana Fazlullah ist der abergläubige Anführer einer Gruppe Radikaler, die im Swat-Valley ein Emirat errichtet haben und dadurch immer wieder im Konflikt mit Regierungstruppen liegen.

Der Bericht, der von anderen Zeitungen bestätigt und in Details vervollständigt wird, bekräftigt jüngste Befürchtungen, wonach ein neuer Konflikt zwischen Pakistan und Indien droht, in dessen Folge pakistanisches Militär von der afghanischen an die indische Grenze verlegt werden könnte. Laut einem Bericht der pakistanischen Zeitung Frontier Post offerieren "lokale Taliban in einer nie zuvor gezeigten Geste großen Patriotismus', den bedingungslosen Stopp ihrer Aktionen gegen Sicherheitskräfte und die Unterstützung der Regierung". Man würde es nicht ungern sehen, wenn die pakistanische Armee an die Ostgrenze verlegt wird. Für die Verteidigung der Westgrenze würde man dann selbst sorgen, wird Haji Muslim Khan, Sprecher der Tehrik-e-Taliban von Swat zitiert, der seiner Erklärung hinzufügt, dass auch Lashkar-e-Islam einen Waffenstillstand angeboten habe:

"Muslim Khan further said the Taliban Tehrik has been saying that army’s role is to defend country’s borders but unfortunately our leaders have always tried to please the US. He urged the government to stop operation in Swat, Bajaur and Waziristan so the Taliban could consider the option of defence of the country. Further, Lashkar-e-Islam has also offered truce to the army so the army could concentrate on borders with India in the present tense situation".

Ungeachtet dieser Worte scheint der Waffenstillstand noch in einiger Entfernung. So werden aus der Konfliktzone Bajaur 15 Tote aus Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Militanten gemeldet und aus dem Swat-Valley ein Selbstmordanschlag mit zehn Toten.

http://www.heise.de/tp/blogs/8/119696
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