Langes Tief
USA: Dem Bericht des National Bureau of Economic Research zufolge fing die Rezession schon vor einem Jahr an. Laut Experten könnte sie einen Dauerrekord aufstellen
Die Vereinigten Staaten befinden sich bereits seit Dezember vergangenes Jahr in der Rezession, ermittelte das National Bureau of Economic Research (NBER). Das NBER definiert sich als überparteiliche Forschungsinstitution, die ihre Ergebnisse an Politiker, Geschäftsleute und Wissenschaftler weitergibt. Das Business Cycle Dating Committee der Organisation, zuständig für die Erfassung der Dauer, für Anfang und Ende von Rezessionen in den USA, hat nun herausgefunden, dass der wirtschaftliche Aufschwung der amerikanischen Wirtschaft, der im November 2001 begonnen hatte, nach 73 Monaten im Dezember 2007 seinen letzten Höhepunkt hatte. Danach gingen wesentliche wirtschaftliche Indikatoren nach unten.
Während die breitere Öffentlichkeit hierzulande in der jüngsten Zeit vor allem die Kriterien für eine "technische Rezession" kennenlernte, die dann gegeben ist, wenn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als die entscheidende Kennzahl für die Wirtschaftsleistung, an zwei aufeinanderfolgenden Quartalen schrumpft, setzt das NBER umfassendere Indikatoren an. Der deutliche Rückgang der Aktivität, welche sich über die gesamte Wirtschaft erstreckt, der über mehrere Monate andauert, ist hier ausschlaggebend für die Definition einer Rezession. Das BIP spielt nicht die Hauptrolle. Entscheidend sind vielmehr der "Arbeitsmarktbericht, die realen persönlichen Einkommen ohne Transferzahlungen, das verarbeitende Gewerbe sowie die Industrieproduktion". Und das Ausmaß des Rückgangs muss sich über einen längeren Zeitraum deutlich zeigen.
Für den Finanzmarkt sei die Definition nach US-Vorbild "kaum hilfreich, da sie rückblickend erfolgt", kommentierte der Kölner Stadtanzeiger die Aussagekraft des amerikanischen Rezessionsmodells gemäß NBER vor einigen Monaten.
Folgt man dem heutigen Bericht der New York Times, so wird die Relevanz des Berichts zunächst damit begründet, dass er bestätigt, was viele Amerikaner bereits bis "in den Knochen" spüren. Aufgezählt wird in diesem Zusammenhang zuvorderst der andauernde Rückgang der Beschäftigung ("Payroll employment") und das Einkommen ("Personal income"), das seit einigen Monaten fällt. Darüberhinaus zählt die Zeitung aktuelle Wirtschaftsdaten auf, die das Bild weiter verfinstern: So hätten die amerikanischen Konsumenten, bislang immer "Rettungsanker", wenn sonst alles gescheitert sei, ihre Ausgaben deutlicher eingeschränkt als jemals zuvor - gemeint ist seit den frühen 1980er Jahren. Die Vorweihnachtsgeschäfte würden sehr schlecht laufen und die Produktion ("Manufacturing activity") sei am tiefsten Punkt seit 26 Jahren.
Große Relevanz hat der NBER-Bericht augenscheinlich vor allem für die amerikanischen Wirtschaftsexperten. Jene, welche die New York Times zu Wort kommen läßt, prognostizieren darauf gründend gleich noch viel Schlimmeres für die nächste Zukunft:
"Wir werden die Bücher, die den Rekord für die Dauer einer Rezession festhalten, neu schreiben müssen. Strittig ist noch, ob auch die Tiefe eine Rekordmarke erreicht."
Andere Analysten gaben der Zeitung gegenüber zu Protokoll, dass sie keine Anzeichen dafür sehen würden, dass die Wirtschaftslage ihren tiefsten Punkt schon erreicht hätte.
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