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08.12.2008Politik-News
Nachrichten aus Politik & Wirtschaft

Pakistan: Weiter Angriffe auf die Hauptversorgungsader des Westens. Update

Militante verwandeln Nachschubstation für die Nato in einen großen Lastwagenfriedhof

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Aus Peshawar, der wilden pakistanischen Stadt in der Nähe des Khyber-Passes, wird gemeldet, dass in der Nacht auf Sonntag mehr als 90 Lastwagen in Brand gesetzt wurden; manche melden sogar 106 ausgebrannte LKWs, 62 davon mit gepanzerten Humvees beladen. Die LKWs sollten von Peshawar aus Nachschub für Nato-Truppen in Afghanistan liefern. Der Anschlag auf den "Port World Logistics Terminal", der von einer bemerkenswert großen Zahl von Angreifern - die BBC spricht von 250 Bewaffneten, die Raketen abfeuerten - ist bislang der spektakulärste und größte einer ganzen Serie, die seit kurzem für Aufmerksamkeit sorgt (siehe Khaiber-Pass: Lastwagen mit Isaf-Nachschub überfallen).

Zwar behaupten, wie BBC berichtet, Vertreter des US-Militärs, dass dieser Zwischenfall die Operationen in Afghanistan nicht beeinflussen werde. Angesichts dessen, dass täglich bis zu 350 LKWs 7000 Tonnen Nachschub von Karachi über Peschawar bis Kabul befördern, wirkt dies nicht sehr plausibel.

Die traditionelle Verbindung zwischen Pakistan und Afghanistan, der Khaiberpass, ist augenscheinlich auch für die westlichen Truppen im 21. Jahrhundert die Hauptversorgungsader. 70 bis 80 Prozent des Nachschubs für die Nato-Isaf-Truppen werden über den legendären Pass transportiert. In dem schwierigen Gelände mit den engen, gewundenen Straßen scheint es wie in früheren Karawanenzeiten den Gegnern nicht allzu schwer fallen, Überfälle zu verüben. Die Technik des Westens scheint hier keinen Schutz zu bieten. Die Versorgungskolonnen können sich der Angriffe kaum erwehren.

Laut Informationen von Al-Jazeera hat Jamaat-e-Islami, Pakistans einflussreichste religiöse Partei, angekündigt, vom 18.Dezember an Straßen, die für den Nachschub der Truppen in Afghanistan sorgen, zu blockieren.

Peshawar, das direkt an die semi-autonomen Stammesgebieten angrenzt und seit den 1980er Jahren Hunderttausende, wenn nicht eine Million afghanischer Flüchtlinge in einer Zone beherbergt, die von afghanischen Sicherheitskräften nicht betreten wird, ist nicht zu kontrollieren. Immer wieder werden Berichte laut, dass Taliban die Stadt unmittelbar bedrohen und zum Zeichen ihrer Präsenz öfter in der Stadt auftauchen. Zuletzt wurden auch vermehrt Angriffe auf Ausländer gemeldet.

Update

Nach Angaben der englisch-sprachigen pakistanischen Tageseitung Dawn haben "bewaffnete Militante" heute morgen in Peshawar bei einem weiteren Anschlag "beinahe hundert Fahrzeuge, einschließlich Jeeps und 20 Nachschublastern" in Brand gesetzt, nachdem sie zuvor mit Benzin übergossen wurden. Laut einem Polizeisprecher, der von AFP ziitiert wird, hat der neuerliche Anschlag größe Ähnlichkeiten mit jenem, der in der Nacht auf Sonntag verübt wurde.

Laut Informationen von Reuters traf der Angriff, der heute morgen erfolgte, ein Container-Depot außerhalb Peshawars, an derselben Straße liegend etwa 2 Kilometer entfernt vom Ziel des oben geschilderten sonntäglichen Anschlags auf die Versorgungs-LKWs. Reuters erwähnt lediglich "50 abgefackelte Container". Der Aussage eines Wachmannes zufolge kamen die "Militanten" nach Mitternacht, schossen in die Luft, gossen Benzin über die Container und zündeten sie an.

Bei CNN werden aus den Containern wieder "50 Nato -Trucks", die heute morgen angezündet wurden. Hochrangige Vertreter der Polizei in Peshawar präzisierten gegenüber CNN, dass beim Angriff am Sonntag 145 Fahrzeuge und Container zerstört wurden, einschließlich zwei gepanzerte Fahrzeuge für den Personentransport und ein Feuerwehrfahrzeug. Ein Wachmann wurde getötet und zwei andere verletzt.

Einige Aufklärung über die unterschiedlichen Versionen, dei es auch für die Angriffe am Sonntag gegeben hat, liefert die Lokalberichterstattung der Frontier Post, die in Peshawar herausgegeben wird. Deren Reporter, die sich direkt zum Ort der Sabotageakte begaben, ermittelten, dass sich die Angriffe am Sonntag an zwei verschiedenen Tranporter-Bahnhöfen in der Ring Road bei Peshawar ereigneten - am Portward Logistic Terminal und am Faisal Depot.

Die Kühnheit dieser Angriffe, so die Reporter, erhöht die Besorgnis darüber, dass die Taliban ihre Kontrolle der Außenbezirke Peshwars verstärkt haben. Nach Aussagen des Portward Logistic Terminal-Managers Kifayatullah Khan schossen die Angreifer mit einer Rakete auf das Eingangstor, töteten einen Wachmann und zündeten insegsamt 192 Fahrzeuge an, enschließlich 70 Humvees. Das Feuer zerstörte darüberhinaus "two cranes, two APCs, three firebrigade and two lifters". Wie die Reporter berichten, sahen sie sechs Reihen zerstörter Humvees und Militärlastkraftwagen, die eng beeinanderstehend geparkt waren, manche auf Anhängern. Laut Lieferpapiere waren die Fahrzeige für amerikanische Streitkräfte und die afghanische Armee gedacht. Während der Terminalmanager und dessen Mitarbeiter die Zahl derAngreifer mit etwa 300 (!) angeben, spricht der Polizeivertreter Kashif Alam von lediglich 30.

Beim nahegelegenen Faisal Depot zählt der Manager Shah Iran 60 verbrannte Fahrzeuge, die nach Afghanistan geliefert werden sollten und drei verbrannte pakistanische Trucks. Über die Zahl der bewaffneten Angreifer wurde nichts Genaues bekannt.

Der Bericht der Frontier Post hebt noch einmal hervor, dass die Sprecherin der US-Armee, Lt. Col. Rumi Nielsen-Green, den Angriff vom Sonntag auf die beiden Terminals als "militärisch nicht signifikant" bewertete:

"You can't imagine the volume of supplies that come through there and elsewhere and other ways. So far there hasn't been a significant loss or impact to our mission."

http://www.heise.de/tp/blogs/8/120053
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