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16.01.2009Politik-News
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Saudischer Großmufti: Ab 10 Jahren sind Mädchen heiratsfähig

In Saudi-Arabien werden Menschen-, Kinder- und Frauenrechte verletzt, ohne dass es die westlichen Regierungen stört.

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Der oberste Mufti Saudi-Arabiens, Shaikh Abdul Aziz Alu Al Shaikh, hat seltsame Ansichten. Politisch ist er der Monarchie treu und versucht, Proteste in arabischen Ländern und in Saudi-Arabien zu verdammen. Das sehen die Herrscher der autoritären Regime – und die Geistlichen, die ihre Hierarchie wahren wollen, nicht gerne. Also sagte der Mufti, dass die Menschen lieber Ruhe geben sollen, weil Demonstrationen "Unsinn" seien: "Der Mob bringt nichts Gutes mit sich." Besser sei es, zu spenden und Hilfe zu senden, als nur sinnlosen Krach zu machen. Schließlich hat König Abdullah zu spenden aufgerufen, das sei das "richtige islamische Werk".

Den Bock schoss der Mufti jedoch ab, als er die Kritiker der islamistischen Fundamentalisten bestärkte und auf die Frage einer Frau, ob es denn richtig sei, Mädchen ohne ihre Zustimmung zu verheiraten, verkündete, dass Mädchen bereits mit 10 Jahren heiratsfähig seien. Das stimme mit dem Islam überein, meinte der Geistliche und sagte gleichzeitig, dass das islamische Recht, das nach seiner Sicht zulässt, dass Männer sich Kinder zur Frau nehmen, gegenüber Frauen nicht repressiv sei.

Für Sheikh Abdul-Aziz Al al-Sheikh können auch Zehnjährige die ehelichen Pflichten erfüllen.
Für Sheikh Abdul-Aziz Al al-Sheikh können auch Zehnjährige die ehelichen Pflichten erfüllen.

"Wer fordert", so der Großmufti, "das Heiratsalter auf 25 Jahre anzuheben, liegt völlig falsch. Unsere Mütter und Großmütter heirateten, als sie gerade einmal 12 Jahre alt waren. Eine gute Erziehung lässt ein Mädchen dazu imstande sein, in diesem Alter alle ehelichen Pflichten zu erfüllen." Im Grunde fordert der Mufti damit, dass erzwungener Sex mit Kindern nach dem islamischen Glauben ganz in Ordnung ist, und dass es so gut ist, weil es schon immer so gewesen ist.

Es wird höchste Zeit, dass die Menschen - und vor allem die Frauen – diesen alten Männern mit ihren verqueren Meinungen und den arabischen Herrscherfamilien, denen der Islam zur Festigung der Macht dient, den Rücken kehren und auch auf die Straßen gehen. Muslime, die nicht mit solchen Fundamentalisten und Ewiggestrigen zusammen gesehen werden wollen, müssten hier wie beim Zwang zum Schleier laut ihre Stimme erheben.

Ganz abgesehen davon, sollten auch die westlichen Staaten, die sich auf die Menschenrechte berufen, endlich auch einmal trotz aller wirtschaftlichen Interessen auf die unsäglichen Zustände in den Monarchien und autoritären Regimen wie Saudi-Arabien einwirken, wenn sie so eklatant auch die Menschenrechte von Kindern verletzen und zulassen, dass die höchsten Geistlichen derartiges vertreten. Saudi Arabien hat, woriaf auch die Saudi National Human Rights Association (NHRA) hinweist, das internationale Abkommen über Kinderrechte und das Abkommen über die Rechte der Frauen unterzeichnet und lässt trotzdem die Verheiratung von Kindern zu.

Erst im Dezember hat ein Gericht eine Klage zurückgewiesen, die Ehe eines achtjährigen Mädchens, in die sie von ihrem Vater gezwungen wurde, mit einem 58-jährigen Mann aufzulösen. Das Mädchen müsse warten, bis sie in die Pubertät käme, sagte angeblich der Richter, was aber auch wohl heißt, dass sie die ehelichen sexuellen Pflichten bis dahin erfüllen muss. Immerhin hatte ein Gericht in einem anderen Fall der Auflösung einer ebenfalls von dem Vater angestifteten Ehe zwischen einer Elfjährigen und einem 75-jährigen Dattergreis zugestimmt. Hier war die Mutter des Mädchens eingeschritten.

http://www.heise.de/tp/blogs/8/121803
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