Milliardärin Schaeffler von der Solidarität ihrer Angestellten zu Tränen gerührt
Weil sie sich mit der Übernahme von Continental verkalkuliert hat, will Schaeffler Staatshilfe - Angestellte, Gewerkschafter, lokale Politiker stellen sich hinter die Konzernchefin.
Tausende von Angestellten der Schaeffler-Gruppe gingen in mehreren bayerischen Städten gestern auf die Straße und forderten staatliche Hilfe für ihr Unternehmen. Milliardärin Maria-Elisabeth Schaeffler, die sich mit Kauf von Continental für 11 Milliarden Euro ganz unabhängig von der Finanzkrise überhoben hatte, will auch gerne Staatshilfe annehmen. Die Banken zögern mit Unterstützung, die Verbindlichkeiten in einer Höhe von 12 Milliarden sind beachtlich – zumal für einen Autozulieferer, dessen Aussichten in der nächsten Zeit sowieso düster sind.
Bedroht von Insolvenz solidarisieren sich Unternehmenschefin und Angestellte und verlangen in neuer Eintracht vom Staat die Rettung des Unternehmens, der Arbeitsplätze und letztlich auch des Vermögens von Frau Schaeffler. Die gerne beschworene unternehmerische Verantwortung, die satte Einkommen und großen Reichtum rechtfertigen soll, spielt plötzlich keine Rolle mehr.
Die größte Demonstration fand mit 8000 Teilnehmern in Herzogenaurach, dem Sitz des Konzerns, unter dem Motto "Auch wir sind Schaeffler" statt. Gewerkschaftler, Bürger, Bürgermeister und Angestellte waren sich einig, die Kritik an der Unternehmensführung zurückzustellen, das Problem sei ja nur wegen der nicht vorhersehbaren Finanzkrise eingetreten, so der Tenor. Landrat Eberhard Irlinger forderte Staatshilfen und meinte auf der Kundgebung: "Wir müssen lauter werden, weil niemand begreifen kann, dass die Hypo Real Estate mit 102 Milliarden Euro unterstützt wird und bei Schaeffler wegen fünf bis sechs Milliarden so lange gezögert wird."
Sind halt Peanuts, bei Frau Schaeffler, deren Privatvermögen ebenso groß ist - nach Forbes ist sie Nr. 104 in der weltweiten Liste der Milliardäre -, will man aber nicht vorstellig werden. Auch die SPD in Form der ehemaligen Familienministerin Renate Schmidt schloss sich dem Wehklagen gegenüber dem Staat und der Solidarität mit der Konzernchefin an: "Es geht nicht um den Pelzmantel von Frau Schaeffler, sondern um den Wintermantel für die Beschäftigten." Soll heißen: Niemand soll sich für die Milliarden von Frau Schaeffler oder deren unternehmerische Verantwortung kümmern.
Angesichts der Solidarität des Volkes ist Frau Schaeffler ganz gerührt. Sie mischt sich unters Volk und verdrückt gar einige Tränen, wie die Welt berichtet, da doch so viele Menschen sie von Verantwortung entlasten und ihr Vermögen schützen wollen, wenn sie damit ihr eigenes Einkommen sichern können:
"Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn mischen sich unter die Demonstranten. 'Ich bin ergriffen, beeindruckt und dankbar. Das gibt mir Kraft, weiter für das Unternehmen zu kämpfen', sagte Schaeffler. Die Firmen-Erbin, die in den Medien zuletzt eher im noblen Pelzmantel auf Fotos zu sehen war, hat ihre Kleidung diesmal schlicht gehalten: Gewärmt von einer braunen Daunensteppjacke sowie mit beiger Hose und einem geblümten Schal empfängt sie die Demonstranten unter Tränen am Werkstor." Aus der Welt Online.
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