Argentinien wirft Bischof Williamson raus
Innenministerium führt formelle Gründe an, aber auch die Holocaust-Leugnung des katholischen Klerikers
Der britische Bischof Richard Williamson muss Argentinien innerhalb von zehn Tagen verlassen, meldet AP heute. Das argentinische Innenministerium gibt als Grund für die Ausweisung zum einen an, dass Williamson auf Einreisepapieren seinen Posten als Leiter eines Priesterseminars nicht korrekt angegeben habe (der Posten ist ihm letzte Woche entzogen worden).
Zum anderen betont das argentinische Innenministerium nach britischen Quellen als Ausweisungsgrund jene Causa, die Williamson in den letzten Wochen weltweit bekannt gemacht hatte: seine stark verharmlosenden bis zur Leugnung gehenden Äußerungen zur Judenvernichtung. Williamsons Kommentare würden die "argentinische Gesellschaft, die jüdische Gemeinde und die ganze Menschheit durch das Leugnen einer geschichtlichen Wahrheit auf das Tiefste verletzen", wird aus dem argentinischen Innenministerium übermittelt.
Williamson, der ebenso wie drei andere Mitglieder der Pius-Brüderschaft, die einen "kirchlich begründeten Antisemitismus" hochhält (Lesenswertes dazu hier), am 21. Januar durch einen aufsehenerregenden Akt des Papstes Benedikt rehabilitiert wurde, hatte in einem Interview mit dem schwedischen Fernsehsender Sveriges Television AB die Existenz von Gaskammern geleugnet und bestritten, dass Millionen Juden von den Nationalsozialisten umgebracht worden sind. Anscheinend bereute Williamson das Interview, weil er mit einem Prozess vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth die weitere Ausstrahlung des Interviews über die Homepage des Senders verhindern wollte, woran er aber scheiterte. Das Gericht lehnte am 10. Februar ab.
Den Inhalt seiner Äußerungen wollte Willamson aber nicht anfechten. Der unter großem öffentlichen Druck erfolgten Aufforderung des Papstes an Williamson, seine Äußerungen zum Holocaust zurückzuziehen, kam Williamson bislang nicht nach. Er machte stattdessen "den Ahmadinedschad": Bischof will "historische Beweise" für den Holocaust prüfen, hieß es am 7. Februar. Dem Spiegel gegenüber hatte Williamson in einem Interview erklärt, dass er sich erst korrigiere, wenn er die Beweise finde. "Aber das wird Zeit brauchen."
Wo er seine "Studien" künftig betreiben wird, ist noch unklar. Laut britischen Informationen weiß man auch nicht, wann Williamson Argentinien verlassen wird. Die Piusbrüderschaft in Argentinien bestätige nur, dass er noch im Land sei, dann sei das Telefongespräch beendet worden, meldet die Times heute.
Der Vatikan wollte die Ausweisung bislang nicht kommentieren.
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