p
20.03.2009Politik-News
Nachrichten aus Politik & Wirtschaft

US-Repräsentantenhaus beschließt 90prozentige Besteuerung von Boni

Um aufkommende Kritik an der Obama-Regierung abzuwehren, wurde von den demokratischen Abgeordneten ein Gesetz im Schnellverfahren durchgeboxt.

  • drucken
  • versenden

Die Boni in Höhe von 165 Millionen Dollar für die Mitarbeiter der Abteilung für Finanzprodukte des Versicherungskonzerns AIG hatten in den USA großen Unmut hervorgerufen und die Obama-Regierung in Bedrängnis gebracht. Diese habe angeblich nichts davon gewusst, dass im März die Boni ausgezahlt werden sollten. Besonders im Sperrfeuer stand Finanzminister Geithner, der zunächst noch meinte, man könne nichts gegen die Auszahlung machen, bis Obama einsprang und versprach, die Zahlungen zu blockieren, sich aber hinter den Finanzminister stellte.

AIG ist nicht nur mittlerweile zu 80 Prozent verstaatlicht, sondern hat aufgrund der riesigen Verluste staatliche Gelder in Höhe von 170 Milliarden Dollar erhalten. Um den Unmut der Menschen zu dämpfen, haben daher demokratische Abgeordneten das Gesetz H.R.1586 im Repräsentantenhaus in hektischer Eile durchgepeitscht, nach dem Boni, die nach dem 31. 12. 2008 von Banken ausgezahlt werden, die mindestens 5 Milliarden Dollar an Staatshilfe erhalten haben, zu 90 Prozent besteuert werden. Die normale Einkommenssteuer bleibt davon unberührt. Allerdings werden nur die Boni derjenigen mit der Extraabgabe besteuert, deren Jahreseinkommen mehr als 250.000 Dollar beträgt.

In der Debatte ging es zeitweilig recht heftig zu. So sagte der demokratische Abgeordnete Charles Rangel, der die Gesetzesvorlage eingebracht hatte: "Diese Menschen kommen mit Mord davon. Sie werden für die Zerstörung bezahlt, die sie unseren Kommungen zugefügt haben." Das Gesetz wurde mit einer Mehrheit von 328 mit 93 Nein-Stimmen angenommen.

Der Senat arbeitet an einem ähnlichen Gesetz, das dann mit dem des Repräsentantenhauses abgeglichen werden muss. Auch hier dürften die Senatoren den Druck der Bevölkerung spüren. Allerdings war es der Senat, der die Boni-Zahlungen ermöglicht hatte. Und es waren, wie die Politiker der republikanischen Partei schadenfroh sagen, vor allem die Demokraten, die in die Vorlage für das Konjunkturprogramm Obamas die Passage eingebracht hatten, dass Boni, die vor dem 11. Februar bewilligt wurden, noch beschränkt werden dürfen. Wie jetzt Finanzminister Geithner, wohl kaum zur Freude von Obama, einräumte, war er die treibende Kraft, dieses Schlupfloch für die Banker zu schaffen.

Möglicherweise wollen die Senatoren nun die Scharte auswetzen und die Ausnahmen streichen, die vom Repräsentantenhaus gemacht wurden. Die Besteuerung würde für Boni von allen Banken gelten, die Steuergelder erhalten haben, allerdings werde nur ein Steuersatz von 70 Prozent vorgeschlagen, der halb von der Bank und halb vom Empfänger bezahlt werden müsste.

http://www.heise.de/tp/blogs/8/134879
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
bilder

seen.by


TELEPOLIS