In den USA verliert der Kapitalismus an Anziehungskraft
Die Finanzkrise lässt auch viele US-Amerikaner am Kapitalismus zweifeln.
Die USA sind das Land Gottes, der Hort des freien Kapitalismus und das "Land of the Free". Der amerikanische Traum, dass es jeder schaffen kann, wenn er sich nur anstrengt, von ganz unten nach ganz oben zu kommen, ist zwar schon lange eher mit einer Lotterie mit den entsprechenden Wahrscheinlichkeiten zu vergleichen, durchlässig sind wohl am ehesten noch die Kultur und der Sport.
Die Finanzkrise könnte aber die Akzeptanz des Kapitalismus, der ja neben dem vermeintlichen Wettbewerb und der Leistungsbelohnung auch Wohlstands- und Eigentumssicherung ist, wie jetzt allzu deutlich wurde, schweren Schaden zugefügt haben. Immerhin wurden hier – anders als in Deutschland – flugs und ohne große Diskussionen Banken verstaatlicht. Dabei geht es zwar darum, das bestehende System zu retten, gleichzeitig aber brechen neue Widersprüche zwischen Gesellschaft, Staat und Wirtschaft/Finanzen auf.
Nur noch 53 Prozent der Amerikaner ziehen nach einer aktuellen Umfrage den Kapitalismus dem Sozialismus vor. 27 Prozent sind sich unschlüssig, 20 Prozent ziehen sogar den Sozialismus vor.
Während die Älteren noch einigermaßen gefestigt sind, brodelt es bei den Jüngeren. Bei den Unter 30-Jährigen ziehen nur noch 37 Prozent den Kapitalismus vor, 33 Prozent sind für den Sozialismus, 30 Prozent können sich nicht entscheiden. Präsident Obama könnte auch hier schwierigen Zeiten entgegen sehen. Es gibt nicht nur die Generationskluft, sondern natürlich auch den zwischen den politischen Parteien. Die Anhänger der Republikaner sind für den Kapitalismus, die Anhänger der Demokraten sind zerrissen (39 Prozent für den Kapitalismus, 30 Prozent für den Sozialismus), bei den Übrigen sind 48 Prozent für den Kapitalismus, 21 Prozent für den Sozialismus. Mehr Sozialstaat ist gefragt, mehr Kontrolle der Wirtschaft und wohl auch Abbau der Kluft zwischen Arm und Reich – selbst in den USA.
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