p
02.05.2009Politik-News
Nachrichten aus Politik & Wirtschaft

H1N1-Schweinegrippe scheint relativ mild zu sein

Zwar fanden auch in Deutschland und Spanien erste Mensch-zu-Mensch-Ansteckungen statt, aber bislang ist der neue Virus weitaus weniger gefährlich wie die normalen Grippeviren.

  • drucken
  • versenden

In Deutschland hat erstmals nach Beginn der Schweinegrippe eine Mensch-zu-Mensch-Ansteckung stattgefunden, wie das Robert Koch Institut mitteilte. Eine Krankenschwester war vermutlich von einem Reisenden, der den Grippevirus aus Mexiko mitbrachte, infiziert worden. Sie sei aber inzwischen wieder gesund. Damit gab es in Deutschland insgesamt 5 bestätigte Infektionen, davon 4 in Bayern.

Auch in Spanien wurde eine erste Mensch-zu-Mensch-Ansteckung nachgewiesen. Bei der Mexiko-Reise von Barack Obama hatte sich ein Sicherheitsberater angesteckt, der aber nicht mit dem Flugzeug des Präsidenten zurückflog. Ein Flug von München nach Washington wurde gestern in Boston unterbrochen, um eine Frau, die von grippeähnlichen Symptomen berichtete, ins Krankenhaus zu bringen.

grippe.gif Vergrößern
Während sich Grippe-Indizierte in weiteren Ländern finden, bleibt die Verbreitung bislang gering, die Erkrankungen sind außerhalb Mexikos meist nur leicht gewesen. In bislang 13 Ländern ist die Grippe aufgetreten, so die WHO, insgesamt wurden 345 Fälle gemeldet. In Mexiko gab es nach der WHO bislang 156 bestätigte Fälle, darunter neun Tote, in den USA 141, darunter ein totes Kind. Das mexikanische Gesundheitsministerium berichtet von 343 bestätigten Fällen (darunter 15 Toten) von insgesamt 776 analysierten Proben. Die WHO spricht seit 30. April nicht mehr wie bisher von der Schweinegrippe, sondern von der A(H1N1)-Grippe. Ebenso pflegt es das CDC in den USA, beim Robert Koch Institut ist man hingegen zur Bezeichnung "Neue Grippe" übergegangen.

In keiner Weise kommt die Grippe-Schweinegrippe bislang den jährlichen normalen Grippe-Epidemien gleich, auch nicht in Mexiko und den USA. Die Befürchtungen vor dem Ausbruch einer Pandemie scheinen bislang übertrieben zu sein, manche Vorsichtsmaßnahmen, vor allem in Mexiko, wo dem Land eine mehrtätige Klausur und nicht für die Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung notwendigen Betrieben die Schließung verordnet worden war. Die Menschen sollten Zuhause bleiben, so Präsident Calderon, dort sei es am sichersten. Manche sprechen bereits davon, dass mit der Hysterie jetzt Schluss gemacht werden müsse, weil sie in keiner Weise dem geringen Risiko entspräche.

Eine schnelle Bekämpfung der Grippe ist für Mexiko sicher wichtig, weil auch bei einer wenig begründeten Angst, Tourismus und Wirtschaft getroffen werden können. Allerdings erhöhen scharfe Vorsichts- und Eindämmungsmaßnahmen zwar die Sicherheit, aber auch die Angst, weil dadurch auch das Risiko größer zu werden scheint. Wie weit die Sicherheitsmaßnahmen in Mexiko die Verbreitung eingedämmt haben, ist unbekannt, jetzt scheint die Zahl der Neuerkrankungen erst einmal zurückzugehen, die anderen Folgen sind eher klar. Die Arbeitgeber müssen ihren Angestellten, wenn sie die Betriebe nach Anweisung der Regierung für 5 Tage schließen, beispielsweise keinen Lohn zahlen, da eine Grippe den Eintritt einer höheren Gewalt darstellt. Trotz der Maßnahmen haben viele Touristen das Land verlassen, Hotels berichten von Ausfällen bis zu 90 Prozent, an die 100.000 Arbeitsplätze seien in Gefahr.

Nancy Cox vom CDC gab bekannt, dass dem H1N1-Virus die Virulenz fehle, die den Erreger der Spanischen Grippe gefährlich machte, möglicherweise ist er sogar weniger gefährlich als die Erreger der jährlichen Grippeepidemien, allerdings zeige er eine ungewöhnliche Kombinationen aus Genen von Menschen und Schweinen. Auch das European Centre for Disease Prevention and Control spricht von leichten Grippeinfektionen. Allerdings ist es häufig so, dass die erste Grippewelle schwach ist, der Virus aber nach weiteren Veränderungen aber gefährlicher wird und es in einer zweite Welle – wie etwa im Fall der Spanischen Grippe – zu einer schweren Pandemie kommt.

http://www.heise.de/tp/blogs/8/137139
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
bilder

seen.by


TELEPOLIS