Rosige Zeiten vor Gewehrläufen
Nach Angaben des Stockholmer Internationalen Friedensforschungsinstituts haben die weltweiten Rüstungsausgaben im letzten Jahr eine Rekordhöhe erreicht
Was in vielen hitzigen Tischgesprächen als bloße Ahnung serviert wird, demonstriert das Stockholm International Peace Research Institute (Sipri) nun in nüchterner Zahlenform: die weltweite Aufrüstung und das unerschütterliche Wachstumssegment Waffenindustrie. Um 4 Prozent haben die Rüstungsausgaben laut dem Jahrbuch 2009 des schwedischen Friedensforschungsinstituts weltweit im letzten Jahr zugelegt, um die bislang unerreichte Gesamtsumme von einer Billion Euro ( 1,464 Billionen US-Dollar) zu überschreiten.
Die Zahl, die in diesem Zusammenhang aufmerken lässt, ist die 45prozentige Steigerung der Rüstungsausgaben seit 1999. Ein Sprecher von Sipri führte dies besonders auf den von Ex-US-Präsident Bush begonnenen War on Terror zurück – ein Konzept, das zur Folge hatte, „dass mehrere Länder ihre Probleme über eine verstärkte militärische Sicht wahrnehmen“.
Der größte der Big Spender ist die USA mit 607 Milliarden Dollar Rüstungsausagen. Auf Platz 2 findet sich zum ersten Mal China - allerdings mit großem Abstand: Nach Sipri-Schätzungen - die sich nach eigenen Angaben auf Informationen gründen, die von den Regierungen öffentlich zugänglich angeboten werden, weshalb sie vermutlich die wahren Ausgaben eher untertreiben - steckte China im vergangenen Jahr 84,9 Milliarden Dollar in seine Aufrüstung. Das entspricht 5,8 Prozent der globalen Rüstungsausgaben. Der US-amerikanische Anteil liegt dagegen bei bemerkenswerten 41,5 Prozent der weltweiten Militärausgaben. Allerdings holen Russland und China auf: In den letzten zehn Jahren haben sie ihre Rüstungsausgaben jeweils verdreifacht.
Deutschland belegt in der aktuellen Liste Platz 6 mit 46,8 Milliarden Euro (3,2 % World share) - allerdings sind die deutschen Rüstungsausgaben auf die letzten zehn Jahre gerechnet um 11% zurückgegangen. Auf Platz drei liegt Frankreich, gefolgt von Großbritannien und Russland auf dem fünften Platz. Beim Rüstungsexport findet sich Deutschland auf Platz drei der Sipri-Liste, hinter den USA und Russland.
Der EADS-Konzern belegt Platz 7 der 10 größten Waffenproduzenten der Welt. Auf den ersten vier Plätze finden sich die US-Konzerne Boeing, BAE Systems, Lockheed Martin und Northrop Grumman. Insgesamt teilen sich US-Firmen mit einem 61-prozentigem Anteil an den "Top 100's arms sales" und Westeuropa mit 32 Prozent die größten Anteile an diesem Geschäft. Russland, Japan, Israel und Indien teilen sich nach diesen Angaben den Rest. Iran taucht in den schwedischen Top-Tabellen dagegen nicht auf.
Bislang, so bilanzierte ein Sipri-Sprecher auf der Pressekonferenz, habe die weltweite Finanz-und Wirtschaftskrise noch keine große Wirkung auf die "Einkünfte, Profite und Auftragsbücher" der Rüstungsindustrie ausgeübt.
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