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23.06.2009Politik-News
Nachrichten aus Politik & Wirtschaft

Zweifel über Konjunkturverlauf führen zum Absturz der Börsen

Entgegen der IWF-Prognose warnt die Weltbank vor einem dramatischen Konjunktureinbruch.

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Panik machte sich gestern wieder an den Börsen breit, nachdem die Weltbank gestern ihre Prognose für die wirtschaftliche Entwicklung nach unten korrigiert hatte. Die wachsenden Zweifel an der weiteren Konjunkturentwicklung führten schließlich dazu, dass der Dax am Montag in Frankfurt erstmals wieder unter 4700 Punkte sackte. Mit 4693,40 Punkten schloss er gut 3 % niedriger als am Vortag. Der MDax verlor sogar 3,49 % und der TecDax büßte 3,74 % ein. Ähnlich sah es auch in Paris (-3,04), London (-2,57) und Madrid (-2,53) aus.

In den USA notierte zum Handelsschluss an der Wall Street der Dow-Jones-Index mit Verlusten von 2,35 % bei 8339 Zählern. Der breiter gestreute S&P-500 schloss mit 3,1 % im Minus und der technologieorientierte Nasdaq verlor 3,4 %. Dafür waren auch die schlechten Daten vom Arbeitsmarkt verantwortlich. Die US-Regierung gab bekannt, dass die Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten auf eine Quote über die 10 % steigen werde. Sie hat in den westlichen Staaten die Marke schon überschritten. Damit zeigt sich erneut, dass der Stress-Test der Banken keinen Wert hatte. Die angenommene Arbeitslosenquote von 8,9 % nach einem "nachteiligen Szenario" wurde schon im April gerissen. Auch die Börsen in Asien sackten in der Nacht zum Dienstag ab und der Nikkei-Index in Japan verlor 2,8 % und schloss mit 9549 Punkten, womit die Vorgaben an den europäischen Börsen heute schlecht sind.

Wieder einmal hatte die Weltbank Wasser in den Propagandawein des IWF geschüttet, der mit seinen Krisenprognosen bisher oft daneben gelangt hat. Der IWF hatte gerade seine Prognose nach oben verändert, doch die Weltbank, welche die Krise stets realistischer eingeschätzt hat, korrigierte sie am Montag weiter nach unten. Noch im März hatte die Schwesterorganisation des IWF ein Schrumpfen der Weltwirtschaft um 2 Prozent prognostiziert, nun gehen die Pessimisten in Washington sogar von 2,9 Prozent aus.

Die Prognosen für die Euro-Zone, für die USA und Japan wurden deutlich nach unten korrigiert. Die Aussichten seien weiter ungewöhnlich unsicher, erklärte die Weltbank am Montag zur Begründung. Daher werde die Wirtschaftsleistung in der Euro-Zone, in den USA und in Japan 2009 stärker schrumpfen als bislang angenommen. Für die Eurozone wird nun vorhergesagt, dass die Wirtschaftsleistung statt um 2,7 % sogar um 4,5 % zurückgehen werde. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA soll statt um 2,4 % um 3 % Prozent schrumpfen und besonders heftig trifft es Japan. Statt 5,3 % soll das japanische BIP sogar um 6,8 einbrechen. Auch die erhoffte Erholung werde demnach 2010 schwächer ausfallen als bisher erwartet. Optimistischer blickt die Weltbank auf eine Konjunkturerholung 2010 in China, Russland und Indien.

Besonders hart würden die Entwicklungsländer von der Krise getroffen. Die Kapitalflüsse in diese Länder werden in diesem Jahr mit wahrscheinlich 363 Milliarden Dollar weniger als ein Drittel des bisherigen Höchststands von 1,2 Billionen Dollar im Jahr 2007 erreichen. Eine Rolle spielt dabei, dass Migranten weniger in die Heimatländer überweisen. Im Jahresbericht zu den Außenfinanzierungsaussichten der Entwicklungs- und Schwellenländer wird der Absturz beschrieben. Erzielten die Entwicklungsländer 2007 noch ein Wachstum von 8,1 %, waren es 2008 nur noch 5,9 % und 2009 sollen es gerade noch 1,2 % werden. Rechnet man die Wirtschaftsleistung von China und Indien heraus, dann würde die Wirtschaftsleistung der Entwicklungsländer sogar um 1,6 % schrumpfen. Der Bericht wurde auf einer Entwicklungskonferenz in Südkoreas Hauptstadt Seoul veröffentlicht.

Die Weltbank wirbt dafür, den Entwicklungsländern wieder stärker internationale Kredite zufließen zu lassen. Die internationale Politik müsse den "ermutigenden" Erklärungen, die beim Weltfinanzgipfel (G20) in London abgegeben wurden, nun auch Taten folgen lassen, mahnt die Weltbank. "Diese Länder stehen vor zunehmend gravierenden wirtschaftlichen Aussichten, wenn der dramatische Einbruch von Zuflüssen aus Exporten, Überweisungen von Auswanderern und ausländischen Investitionen bis 2010 nicht umgekehrt wird." Diesen Ländern schreibt die Weltbank eine wichtige Funktion bei der Überwindung der Weltwirtschaftskrise zu: "Entwicklungsländer können eine wichtige Antriebskraft bei der Erholung haben, in der Annahme, dass die einheimischen Investitionen wieder mit internationaler Hilfe ansteigen", sagte Weltbank-Chefökonom Justin Lin in Seoul.

http://www.heise.de/tp/blogs/8/140936
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