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Politik & Wirtschaft

Schweinegrippe: In Argentinien soll es mehr als 100.000 Infizierte geben

Der Grippenotstand wurde ausgerufen, antivirale Medikamente werden verteilt, Gesundheitsminister und Präsidentin uneins über die Zahlen.

Nachdem der britische Gesundheitsminister angesichts der schnell steigenden Erkrankungen an der Schweinegrippe erklärt hat, dass die Ausbreitung in Großbritannien nicht mehr zu stoppen sei, hat dies auch WHO-Direktorin Margaret Chan für den weltweiten Rahmen gesagt. Sie betonte aber noch einmal, dass die Pandemie vermutlich mit einer relativ leichten Erkrankung einhergehe. Beunruhigend sei allerdings, dass manchmal auch junge und gesunde Menschen aus unerklärlichen Gründen sterben.

Chan sprach auch davon, dass sich eine Pandemie in dicht besiedelten Orten, also vor allem in Städten, schnell wie eine Flutwelle verbreiten kann und einen schnellen Höhepunkt erreicht, um dann wieder abzuklingen, während der Verlauf in weniger dicht besiedelten Gegenden langsamer ist. Eine Flutwelle scheint es nun in Argentinien gegeben zu haben. Am 3. Juli meldete die WHO noch, dass keine neue Erkrankungen berichtet wurden und es bislang 1587 bestätigte Infektionen bei Menschen gab. Im Unterschied zu Großbritannien ist in Argentinien Winter und daher sowieso Grippesaison.

In Buenos Aires wurde bereits am Montag der Grippenotstand ausgerufen, um die Grippe noch unter Kontrolle zu bringen. Mittlerweile wurde der Grippenotstand in 17 Provinzen erklärt. In einigen wurden nur wie in Buenos Aires die Schulferien verlängert, in anderen will man gleich alle Sport- und Kulturveranstaltungen absagen. Vom Gesundheitsministerium wird empfohlen, geschlossene Veranstaltungen abzusagen oder sie nicht zu besuchen. Staatsangestellte mit Kindern unter 14 Jahren können nach einer Ausnahmeregelung Zuhause bleiben, solange die verlängerten Ferien dauern.

Nun hat der Gesundheitsminister Juan Luis Manzur, der gerade nach der Wahl sein Amt angetreten hat, erklärt, dass die Grippe sich weiter verbreitet und man darüber nachdenke, schärfere Maßnahmen einzuführen. Zwar gebe es erst 2.900 bestätigte Erkrankungen (und 44 Tode), aber es sei völlig ungewiss, wie viele der Menschen, die an Grippe erkrankt sind, vom Schweinegrippevirus A(H1N1) oder vom saisonalen A(H1N1)-Virus infiziert wurden. Er gehe davon aus, dass in Wirklichkeit bereits 110.000-120.000 Menschen an der Schweinegrippe erkrankt seien. Insgesamt gebe es 320.000 Grippekranke. Das Ministerium habe damit begonnen, 300.000 Dosen antiviraler Mittel zu verteilen. Nächste Woche würden weitere 500.000 verfügbar sein.

Präsidentin Cristina Kirchner versuchte, die von Manzur genannte Zahl wieder herunterzuspielen. Man dürfe solche Zahlen nur mit großer Verantwortung nennen, kritisierte sie ihren Minister. Die Zahl sei nur geschätzt, meinte sie, um Panik zu unterdrücken. In den Krankenhäusern seien Neuzugänge sogar zurückgegangen. Vermutet wird, dass möglicherweise die Regierung die Grippepandemie und deren Bekämpfung bis zur Wahl beiseite geschoben hat. Graciela Ocaña war auch deswegen als Gesundheitsministerin zurückgetreten, weil sie verlangt hatte, die Wahl zu verschieben und einen Grippenotstand auszurufen.

Florian Rötzer04.07.2009
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Kommentare lesen (14 Beiträge)
Re: Laaaaang-weilig...
Re: Panikjournalisten sind langweilig
ähh...ja...alles ganz furchtbar... (kT)

 
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