Wahlmanipulationen am Hindukusch
Die Beschwerden häufen sich, nicht nur der amtierende Präsident Karsai, sondern auch dessen Gegenkandidaten werden bezichtigt; mehr und mehr sieht es nach einem Wahlsieg der Taliban aus
1500 formale Eingaben registriert die Wahlbeschwerdekommission in Afghanistan. Darunter 150 Vorwürfe, die als schwerwiegend genug charakterisiert werden, dass sie das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen beeinflussen könnten. Laut Washington Post häufen sich aktuell Berichte über gefälschte Stimmzettel und Wählereinschüchterung beim Urnengang Mitte August. Nicht nur Karsai, sondern auch sein Rivale Abdullah werden Manipulationen vorgeworfen. Die Zeitung berichtet von einer Reihe von Fällen, die sich im Norden - in Balkh - zugetragen haben. Angeblich hat man dort versucht, Wähler mit Polizeigewalt davon abzuhalten, ihre Stimme für Präsident Karsai abzugeben.
Schon am Tag nach der Wahl warf der US-Sonderemissär für Afghanistan Richard Holbrooke Karsai - und anderen Kandidaten - größere Manipulationen mit gefälschten Stimmzetteln vor, berichtet BBC. Der angeblich äußerst wütende Holbrooke soll auf eine zweite Wahlgang gedrängt, die nötig sei, um die Wahlen wieder glaubwürdig zu machen. Ob dies allerdings im Propanganda-Krieg mit den Taliban noch gelingt ist, fraglich. Bislang können die Taliban aus all den Unzulänglichkeiten und Ungereimtheiten bei der Wahl den größten Nutzen ziehen: Sie sind die eigentlichen Wahlsieger.
Nach 17% der ausgezählten Stimmen liegt der amtierende Präsident Karsai mit 45% vor seinem schärfsten Rivalen, der nach jüngst genannten Zahlen auf 35 Prozent kommt. Diese Zahlen liefern jedoch nur Hinweise, ohne größere Aussagekraft. Das offizielle Ergebnis soll erst am 17.September bekannt gegeben werden, ein vorläufiges Zwischenergebnis wird zwischen 3 und 7. September erwartet.
Allerdings können die Ergebnisse dann durch dieWahlbeschwerdekommission in Frage gestellt werden. Deren Resultate aus der Überprüfung der Beschwerden werden nämlich erst später erwartet.
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