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22.09.2009Politik-News
Nachrichten aus Politik & Wirtschaft

Stetiges Umschalten auf den "Kampfmodus"

Die Bundeswehr in Afghanistan stellt sich auf neue Forderungen ein

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Im deutschen Wahlkampf ist der Bundeswehr-Einsatz am Hindukusch kein großes Thema. Das könnte sich nach der Wahl ändern. Der bisherige Verlauf ähnlicher Appelle läßt annehmen, dass sich die Forderung des US-Kommandierenden McChrystal nach einer deutlichen Truppenverstärkung nicht alleine auf das US-Militär beschränken wird. McChrystal ist auch Kommandierender der Nato-Einheiten in Afghanistan. Der Streit darüber, wieviel Soldaten mehr benötigt werden, um eine Wende im Kampf gegen die Taliban herbeizuführen, wird keine inneramerikanische Debatte zwischen Weißem Haus und Pentagon bleiben. In Großbritannien soll es nach Informationen der Times konkrete Pläne geben, die britischen Truppen um 1000 Soldaten zu verstärken. Laut dem Zeitungsbericht ist das als direkte Reaktion auf die Forderungen McChrystals zu verstehen.

Auch in der gedruckten FAZ ist heute ein Bericht zu lesen, der mit "Mehr Soldaten nach Kundus" überschrieben ist. Allerdings besteht keinerlei direkter Zusammenhang mit den aktuellen Forderungen des Nato-Kommandeurs. Der wird sich erst in den Wochen nach der Wahl zeigen. Nach Informationen der Frankfurter Zeitung prüft die Bundeswehr, "zusätzliche Kampftruppen" nach Kundus zu verlegen.

Grundlage der Überlegungen, die laut Quellen der Zeitung "im Heer" schon "konkret" durchgespielt werden, ist eine Forderung des deutschen Brigadegenerals Vollmer, die in seinem "Erfahrungsbericht" über den Einsatz des letzten Bundewehrkontingentes zu finden ist. Vollmer fordert in diesem Geheimbericht vom 24. August, der in seinen Grundaussagen in den letzten Tagen von vielen Medien bekannt gemacht wurde, angeblich die Verbesserung der Fähigkeit "militärische Präsenz in der Fläche" zu zeigen. Laut FAZ übersetzt sich das in die konkrete Anforderung, eine dritte Infanteriekompanie nach Kundus zu verlegen. Zudem ist von einem Bedarf an mehr Offizieren die Rede, die Operationen führen können. Das, so legt es der Zeitungsbericht nahe, soll dem Kommandeur des Regionalen Wiederaufbauteams dabei helfen, die militärischen Operationen gegen die Aufständischen besser und konzentrierter durchzuführen. Bislang müsse er diese nämlich mit demselben Stab bewerkstelligen, mit dem auch alle übrigen Wiederaufbaumaßnahmen durchgeführt werden.

Hier wird ein Trend offensichtlich, der sich schon in manchen Veröffentlichungen der letzten Monate gezeigt hat (siehe dazu Afghanistan: Der Auftrag ist gewöhnungsbedürftig): er bestärkt die neue "proaktive Ausrichtung" des Einsatzes - mehr Offensive und eine größere Konzentration auf Kampfhandlungen. Die Bundeswehr, so läßt sich daraus schließen, bereitet sich auf die kommenden Anforderungen vor: der Wiederaufbaueinsatz wird stetig deutlicher auf den Kampfmodus umgestellt. Eine Veränderung, die knapp unter der Wahrnehmnungsschwelle der größeren Öffentlichkeit passiert.

Man darf gespannt sein, welche Formulierungen die neue alte Bundeskanzlerin in den Herbst-und Wintermonaten finden wird, um die positiv beantworteten Forderungen aus dem Nato-Kommando nach mehr deutschen Truppen für den Kampf gegen die Taliban, möglichst friedlich und öffentlichkeitsfreundlich zu begründen.

http://www.heise.de/tp/blogs/8/145677
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