Piraten und Linke "Sieger" im Web-2.0-Wahlkampf
Eine Untersuchung der Wahrnehmung von Parteien in Social Networks und Videoplattformen ergab exakt die umgekehrte Reihenfolge der Stimmanteile in den aktuellen Wahlumfragen
Die Social-Media-Beraterfirma Brain Injection und die Cologne Business School (CBS) untersuchten die Wahrnehmung von deutschen Parteien auf den sechs bedeutendsten Social Networks und den vier größten Videoportalen. Dabei ergab sich eine Reihenfolge, die nicht nur deutlich von der in den repräsentativen Telefonumfragen ermittelten abweicht, sondern diese exakt umkehrt: An erster Stelle steht die Piratenpartei, dann kommt die Linke, auf Platz drei folgen die Grünen, an vierter Stelle die FDP, an fünfter die SPD und zuletzt die CDU.
Zur Ermittlung der Web-2.0-Wahrnehmung erstellten die Medienforscher nicht nur einen "Aktivitätsindex" der jeweiligen Gruppen, sondern durchsuchten auch Meinungsäußerungen, die sie in positive und negative unterteilten. Das Ergebnis für die Volksparteien ist insofern wenig überraschend, als sich ihre Führungskräfte im Wahlkampf mit Kampfansagen gegen den angeblich "rechtsfreien Raum" deutlich als "Anti-Internetparteien" positionierten. In der SPD wollte eine Medienkommission sogar nach "Therapiemöglichkeiten" für die ihrer Ansicht nach schädliche Verlagerung von Aufmerksamkeit weg von Printmedien und hin ins Web suchen.
Relativ überraschend ist dagegen das gute Abschneiden der Linkspartei, die bisher ebenfalls nicht durch eine besondere Online-Affinität auffiel. Allerdings zeigte sich unter anderem im Erfolg der Initiative 100 Blogs für die Linke, dass die Partei mittlerweile offenbar auch Wähler anspricht, die sich selbst gar nicht als "Linke" verstehen.
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