p
24.10.2009Politik-News
Nachrichten aus Politik & Wirtschaft

Afghanen haben kein Interesse mehr, Polizist zu werden

Um abziehen zu können, sollen die Sicherheitskräfte in Afghanistan massiv augestockt zu werden, aber für 120 Dollar finden sich für den gefährlichen Job nicht genügend Rekruten.

  • drucken
  • versenden

Die Bereitschaft bei den Nato-Mitgliedern ist nicht groß, mehr Truppen nach Afghanistan zu schicken. Der NATO-Oberkommandierende in Afghanistan, US-General Stanley McChrystal, fordert 40.000 zusätzliche Soldaten. Auch US-Präsident Obama zögert, von den Nato-Staaten wollen bislang nur Großbritannien und vielleicht Polen ein paar Soldaten mehr schicken, dafür haben Holland und Kanada bereits den Abzug beschlossen, Australien könnte folgen.

Derweil wird die Sicherheitslage immer kritischer, die Wahlen waren ein Desaster, die Regierung ist korrupt, Warlords und Drogenbarone haben das Sagen. Um einen Abzug zu ermöglichen, sollen möglichst schnell die afghanischen Sicherheitskräfte aufgebaut werden. Das war zwar schon das Ziel von Beginn an, doch bislang ist damit nur schleppend vorankommen.

Derzeit werden aber nicht mehr Polizisten ausgebildet, die Zahl der Ausbildungswilligen sinkt. Im August hatten sich gerade einmal 1000 neue Rekruten gemeldet, geplant ist allerdings, möglichst schnell fast 70.000 zusätzliche Polizisten zu haben. Davon ist man weit entfernt. Gegenwärtig soll es etwas mehr als 90.000 geben. Genaue Zahlen gibt es aber nicht, weil gerne einmal mehr Polizisten gemeldet werden, um das Gehalt einsacken zu können.

Das größte Trainingszentrum ist, wie die Times berichtet, nur noch zu einem Viertel seiner Kapazität belegt. Während die Zahl der Rekruten sinkt, wächst die Zahl derjenigen, die der Polizei wieder den Rücken zukehren. Innerhalb eines Jahres gibt ein Drittel der Ausgebildeten, die gerade einmal ein paar Wochen Training erhalten, wieder den Polizeidienst auf. Die Bezahlung ist mit 120 US-Dollar im Monat mies für den Job, bei dem man jeder zum Ziel eines Angriffs der Taliban und getötet werden kann. Als Polizist ist man gefährdeter denn als Soldat, leichter bewaffnet und ohne den Schutz der Nato-Truppen. Letztes Jahr wurden 1.290 Polizisten getötet und 2.400 verletzt. Manche gehen auch zu den Taliban über, wo sie mehr Geld erhalten

General Khudadad Agha, der für die Ausbildung zuständig ist, sagte der Times, dass 95 Prozent der Rekruten sich nur deswegen melden, weil sie die 120 Dollar benötigen, da sie keine Ausbildung und nichts zum Essen haben. In den letzten 6 Wochen hätten sich keine neuen Rekruten gemeldet.

Angesichts dieser Lage scheint die Aufstockung der Nato-Truppen absurd zu sein. Ein Nato-Soldat kostet, berechnet man alle Kosten ein, ein Vielfaches eines afghanischen Polizisten. Würden diese vernünftig, der Gefahr und besser als die Taliban angemessen bezahlt, würden sich mehr ausbilden lassen und im Dienst bleiben. Allerdings wäre auch dann die Lage womöglich nicht sehr viel besser, weil die Zentralregierung schwach und das ganze System korrupt ist.

http://www.heise.de/tp/blogs/8/146417
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

FOTOBLOG

Der schöne Schein

Firewall mit Windows

bilder

seen.by


TELEPOLIS